Acht Frauen peilen den Sieg beim Ultra Gobi an

Frauenpower in der Wüste. Deng Xia und ihr Team wollen zeigen, dass Frauen das gleiche leisten können, wie Männer und damit andere Frauen ermutigen. 

Text: Klaus Molidor, Gobi Desert
Bilder: Ultra Gobi

Mit „Conquest of Paradise“ aus den Camp-Lautsprechern beginnt der zweite Tag beim Ultra Gobi noch sanft und langsam. Schon wenig später beim Aufwärmen sieht die Sache ganz anders aus, als am ersten Tag, als die Zeit noch keine Rolle gespielt hat. Kontrolliertes Aufwärmen nach Plan in der Gruppe steht für die Teams im A-Bewerb auf dem Plan. Kurz vor dem Start ist noch Zeit, den Sonnenaufgang zu genießen, den hier kein Haus, kein Baum, kein Strauch trübt und man den roten Ball am Ende des Horizonts ungehindert aufsteigen sieht.

Am Checkpoint 2 ist dann klar: Race mode on! Hier müssen die Teams eine fünfminütige Pflichtpause einlegen. Schon bevor die Läuferinnen und Läufer eintreffen, wirbeln die Helfer aufgeregt durch die Versorgungsstation. Sie richten Gels, Bananen, Mandarinen und Salben in Reih und Glied am Stand ihrer jeweiligen Universität her. Es riecht nach Menthol, Zitronen und Orangen. Per Funk sind ja alle informiert, wann ihr Team den Hügel hochkommt, um nach der Labestation in hügeliges Gelände weiterzulaufen, das an eine Mondlandschaft erinnert. 

Am Check-in in die Station nimmt ein Helfer seinen Läufer gleich in Empfang, wickelt ihn in eine goldene Rettungsdecke und schiebt ihn im Laufschritt zum richtigen Stand. Das ganze erinnert an einen Boxenstopp in der Formel 1. Und so geht es auch weiter. Gels werden in die Rucksäcke gesteckt, Bananenstücke in den Mund. Oftmals füttern die Helfer ihre Sportler. Dann Kühlungsspray auf Ober- und Unterschenkel. Während der Oberköper gewärmt wird, sollen die Beine frisch bleiben. BCAA-Drinks sollen die Regeneration vorantreiben, der eine oder die andere nimmt ein paar tiefe Züge aus den Sauerstoff-Spraydosen.

Das ist auch beim wohl speziellsten aller teilnehmenden Teams nicht anders. Denn eine einzige Mannschaft gibt es, in der ausschließlich Frauen laufen. Dazu kommt noch die Besonderheit, dass das ein gecastetes Team mehrerer Universitäten und Business Schools ist, um die stärksten Läuferinnen zu finden und zusammenzuspannen. 

Die ehemalige Gobi-Teilnehmerin Wang Ling von der Cheung Kong Graduate School of Business hat das „He Guang Tong Cheng“ Team gegründet. Heuer sind sie zum ersten Mal als A-Team in der Open-Kategorie am Start. „Der erste Renntag ist gut verlaufen, nur eine Läuferin hatte Magenprobleme“, sagt Teamleaderin Deng Xia. „Es ist schon etwas Besonderes, dass wir nur Frauen im Team haben“, sagt sie. Die Herausforderungen sind körperlicher, biologischer und mentaler Natur. „Wir wollen auch zeigen, dass Frauen das gleiche leisten können wie Männer“, sagt Deng Xia. „Der Ultra Gobi war immer hauptsächlich eine Sache der Männer. Aber die ‚female power‘ ist unvorstellbar groß.“ Mit der Teilnahme in der Wüste wollen sie andere Frauen dazu ermutigen, sich etwas zuzutrauen. „Denn man bekommt ein ganz anderes Selbstbewusstsein durch diese Erfahrung.“ 

Shao Xiaohui ist die älteste Läuferin im Frauenteam und wollte unbedingt einmal in einem A-Team laufen. „Obwohl ich Schmerzen in den Beinen habe, wollte ich mich einfach selbst herausfordern“. Dreimal war Teamleaderin Deng Xia mit ihrer Truppe in der Wüste. „Einmal für die Auswahl, denn wir wollten die stärksten Läuferinnen aller Business Schools zusammenholen und gemeinsam antreten lassen und dann zweimal zum Training“. Das hat sich bezahlt gemacht. Die Damen absolvieren die rund 30 Kilometer langen Tagesetappen im Auf und Ab durch Sand und Schotter in einer Durchschnittspace von 5:50 Minuten pro Kilometer. „Und ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir unsere Kategorie gewinnen“, sagt Deng Xia selbstbewusst. Damit aber nicht genug, denn das Abenteuer geht für sie und einige ihrer Läuferinnen weiter. „Wir sind auch schon für den Ultra Gobi AlUla im Jänner 2027 angemeldet.“

Das Team der Lyon Business School auf der ersten gezeiteten Etappe des Ultra Gobi.

Soweit sind die Damen aus dem Team der Lyon Business School noch nicht. Die Schule mit Sitz in Shanghai hat eine starke Ultra Gobi Tradition. Vier Läuferinnen aus Frankreich sind in dem achtköpfigen Team dabei – und keiner aus dem gesamten Team hatte bis vor wenigen Monaten etwas mit Laufen am Hut. Seit gut einem halben Jahr haben alle aber pro Monat 400 Kilometer abgespult, um auf die Herausforderung in der Wüste vorbereitet zu sein. Nach den herausfordernden 30 Kilometern am ersten echten Renntag ging es für alle acht direkt danach zur Massage. „Die Etappen sind eine große Herausforderung für uns alle – Männer wie Frauen“, sagt Wang Hong Lin stellvertretend für sein gesamtes Team.Laufen im allgemeinen und Trailrunning im Speziellen wird also auch in China weiblicher. Das bestätigt auch Eliza Wang, Director of Global Business Development von Ultra Gobi. „Während die Teilnehmerzahlen seit Jahren sehr stabil bei rund 5000 Anmeldungen liegen, ist der Anteil der Frauen merklich in die Höhe gegangen.“

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