Bekenntnis zum Wachstum: China meint es ernst im Trailrunning

Schon jetzt gibt es in China 2000 Trailrunning-Bewerbe – Tendenz steigend. Dabei ist sowohl auf der sportlichen wie auf der Veranstalterseite noch Luft nach oben. Diese Lücke will man ehest schließen. 

Text: Klaus Molidor, Gobi Desert
Bilder: Ultra Gobi

Als Erster kommt Gu Bing zum Checkpoint 5 des A+-Bewerbs beim Ultra Gobi. Das ist der 121-Kilometer-Bewerb, der als Solo-Rennen mit Selbstverpflegung ausgetragen wird – so wie man es aus Europa kennt. Der Chinese hat Helfer, die ihm beim Umziehen der Schuhe helfen und seine Beine mit Sprays kühlen und auch darauf schauen, dass er den Materialcheck schnell hinter sich bringen kann, um wieder hinaus auf die Strecke zu laufen, einer Sand-Schotter-Piste die sich schnurgerade Richtung Berge erstreckt, geradewegs auf die schwierigste Passage des Rennens zu. Er ist einer der wenigen Trail-Läufer aus China, die ihren Sport als Profis ausüben können. Er wird vom chinesischen Ausrüster Kailas-Fuga unterstützt und hat dieses Rennen 2024 schon gewonnen.

Gu Bing ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark der Sport in China wächst. Vor allem in den letzten beiden Jahren hat Trailrunning einen enormen Schub erhalten. Neben dem längst etablierten Ultra Gobi gibt es mittlerweile mehr als 2000 Rennen in China. Tendenz steigend und mehr und mehr Leute üben den Sport aus. Weil es dazu nicht viel mehr braucht als ein paar Schuhe und auch die technische Einstiegshürde gering ist.

Für Liu Huasong hat das vor allem zwei Gründe. „Social Media und Covid-19“, sagt der Race Director des Ultra Gobi AlUla und des 400 Kilometer Bewerbs in China. „Durch die sozialen Medien hat heute jeder eine Stimme und Trailrunning ist eine Mode geworden“, sagt er. „Viele Leute posten coole Bilder und können damit in kurzer Zeit sehr viele Leute erreichen. Dadurch hat sich der Sport sehr schnell ausgebreitet.“

Die Covid-Pandemie hat auch einiges dazu beigetragen. „Viele Leute sind sehr krank gewesen oder haben sogar dem Tod ins Auge geblickt. Das hatte den Effekt, dass sie jetzt viel mehr im Moment leben und auch reisen wollen“, sagt Liu Huasong. „Fürs Reisen braucht man einen Grund und einer davon ist Trailrunning, weil man sich bewegt und es auch mit Tourismus verbinden kann.“

So wird zum Beispiel die Faculty of Business der University of Macau ein Team zum Ultra Gobi AlUla nach Saudi Arabien schicken. „Vier Läufer sind schon dabei und wir rekrutieren noch welche“, sagt Zhenzhao Yuan, der sich als Gründer des Gobier Club Macau seit vielen Jahren darum kümmert, Teilnehmer für das Rennen in China zu finden. „Heuer haben wir mit 67 Teilnehmern die größte Delegation unserer Geschichte am Start.“

In der Breite ist China also schon sehr gut aufgestellt. „Aber nur, weil wir viele Läufer haben, heißt das nicht, dass wir auch viele gute Athleten haben. Sehr viele sind ganz frisch in dem Sport.“ Bis Läufer aus dem Reich der Mitte regelmäßig an der Spitze großer Rennen außerhalb Chinas stehen werden, wird es also noch dauern.“

Bis viele europäische Athleten in China an der Startlinie stehen, wohl ebenso. „Denn wir haben noch nicht die Kapazitäten, viele Läufer aus dem Ausland zu betreuen“, sagt Liu Huasong diplomatisch. In der Realität liegt es teilweise an der Hotel-Infrastruktur, noch mehr aber an der Sprachbarriere. Englisch spricht in China selbst 2026 noch ein so kleiner Anteil der Leute, dass es für Ausländer aus Europa schwierig ist, sich alleine zurechtzufinden.

Dabei bräuchten die Events laut Liu Huasong den Vergleich mit vielen Rennen anderswo nicht scheuen, was die Betreuung der Sportler betrifft. Es gibt stets viele Freiwillige, die in der Organisation mitarbeiten. „Wir helfen den Läufer:innen mit der Verpflegung, mit dem Gepäck bei den Rennen, mit der Unterkunft.“

Klar ist aber auch: China hat noch Aufholbedarf in allen Bereichen des Trailrunnings, aber die Entwicklung schreitet schnell voran. Sehr schnell. Das erste Übersee-Rennen dass ein chinesischer Veranstalter organisiert, ist der Ultra Gobi AlUla von 13. bis 20. Jänner in Saudi-Arabien. „Der kann ein gutes Beispiel dafür sein, zu zeigen, was China kann“, sagt Liu Huasong. „Uns geht es auch um den Spirit. Man lernt sich bei einem Rennen kennen und tauscht Meinungen aus. Sport verbindet.“

Er gibt auch ein klares Bekenntnis zum Wachstum und zur Verbesserung auf allen Ebenen aus. „Wir wollen Erfahrungen sammeln, Erfahrungen teilen und mit jedem Event besser werden.“ Mit Blick auf andere Bereiche scheint klar zu sein: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis China ein global Player im Trailrunning sein wird. Wenn es das Land nicht schon ist.

Neueste Nachrichten

Verwandte Artikel