Myoko Trail: Wenn die GTWS erstmals Japans „Heilige Berge“ besucht

Am 20. September macht die Golden Trail World Series (GTWS) zum ersten Mal Station im Myoko-Gebirge – einem der 100 berühmtesten Berge Japans, in der Präfektur Niigata. Diese befindet sich an der Westküste der japanischen Hauptinsel Honshu, direkt am Japanischen Meer, in der zentralen Chūbu-Region – rund auf halber Höhe der Insel, deutlich südlich von Hokkaido und nordwestlich von Tokio, das man von dort mit dem Shinkansen in unter zwei Stunden erreicht. Die Gegend ist berühmt für ihre Schneereichtum („Snow Country“), was auch erklärt, warum Myoko zugleich eines von Japans bekanntesten Wintersportgebieten ist.

Text: Egon Theiner, Pablo Osorio/GTWS
Bilder: Myoko Trail

Für die GTWS ist das Rennen der Auftakt zu einem entscheidenden Dreier-Block in Asien, der über den Ausgang der Saison 2026 mitentscheiden dürfte. Für die Region selbst ist es die Krönung einer jahrzehntelangen, bislang wenig beachteten Sportgeschichte.

Ein Berg, der schon lange vor dem Wort „Trailrunning“ gelaufen wurde

Das Myoko-Gebirge gehört zu den „100 berühmten Bergen Japans“ (Nihon Hyakumeizan) – einer 1964 vom Schriftsteller und Bergsteiger Kyūya Fukada zusammengestellten Liste, die bis heute als Ritterschlag der japanischen Bergkultur gilt. Seit dem Wanderboom der 1980er-Jahre ist das Besteigen aller hundert Gipfel für Generationen japanischer Outdoor-Enthusiastinnen und -Enthusiasten eine Art Lebensaufgabe.

Was die Region aber besonders macht, ist ihre doppelte Sportidentität: Myoko ist eines von Japans bekanntesten Winter-Skigebieten und hat über Jahrzehnte zahlreiche Winterolympioniken hervorgebracht. Sobald der Schnee schmilzt, werden dieselben Berge zum Sommertrainingsgelände genau dieser Athletinnen und Athleten – Trailrunning war hier also gelebte Praxis, lange bevor der Begriff selbst in Japan geläufig wurde. „Genau deshalb ist es für die lokale Gemeinschaft ein solcher Stolz, ein Golden-Trail-World-Series-Rennen in Myoko auszurichten“, sagt Event-Direktor Koji Otsuka. Auch das berühmte Hochplateau Sasagamine, bekannt für kühle Sommertemperaturen und atemberaubende Ausblicke, dient traditionell als Höhentrainingslager für Marathon- und Ekiden-Läuferinnen und -Läufer – Ekiden, die ikonische japanische Staffel-Langstreckendisziplin, die im Land einen enormen Stellenwert genießt.

Zwei Berge, zwei Downhills, eine brutale Symmetrie

Sportlich verspricht die Strecke ein ungewöhnliches Format: 23,5 Kilometer, 1.935 Höhenmeter, aufgeteilt in zwei komplette Anstiegs-Abstiegs-Zyklen – fast wie zwei Vertical-Rennen in einem. Start ist am Suginohara Skiresort, wo es zunächst steil hinauf ins Myoko-Gebirge geht, gefolgt von einem langen, technischen Abstieg mit Blick auf den Nojiri-See, eines der markantesten Naturmerkmale der Region. Zurück im Zielbereich beginnt die Tortur ein zweites Mal: erneuter Anstieg, erneuter Abstieg. „Wir haben die Strecke bewusst neu gestaltet, um sie anspruchsvoller zu machen“, erklärt Otsuka. Ken Chan, Gründer und CEO von der Eventfirma PCG, ergänzt: Das Suginohara-Skiresort als Austragungsort sei „ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserer langfristigen Vision, die Region als eines der weltweit führenden Ganzjahres-Bergziele zu etablieren.“

Myoko Trail ist dabei keine Neugründung aus dem Nichts, sondern die Weiterentwicklung des seit fünf Jahren ausgetragenen Rockin‘ Bear Myoko – mit dem GTWS-Anschluss aber deutlich aufgewertet und anspruchsvoller gestaltet.

Ein Rennen zur richtigen Zeit für den japanischen Trailsport

„Wir organisieren seit 15 Jahren Trailrennen, und die Teilnehmerzahlen wachsen stetig, besonders bei jüngeren Generationen“, sagt Otsuka. Während früher vor allem 40- bis 50-Jährige das Feld dominierten, ist die Zahl der Athletinnen und Athleten in ihren Zwanzigern und Dreißigern zuletzt deutlich gestiegen. Für Otsuka geht die Bedeutung des GTWS-Anschlusses aber über den Sport hinaus: „Am meisten begeistert mich die Wirkung auf die lokale Gemeinschaft. Ich möchte, dass junge Menschen in Myoko die besten Athletinnen und Athleten der Welt hautnah erleben und selbst davon träumen, eines Tages international mitzuhalten – egal in welcher Sportart.“

Genau zur richtigen Zeit im Rennkalender

Sportlich könnte der Zeitpunkt kaum spannender sein. Elhousine Elazzaoui führt die Männerwertung an, doch die Konkurrenze der run2gether-Athleten ist groß. Bei Sierre-Zinal gewann Philemon Kiriago vor Patrick Kipngeno und Michael Selelo Saoli und blieb dabei lediglich 50 Sekunden über Kilian Jornets Streckenrekord. Bei den Frauen spricht alles für den Superstar: Titelverteidigerin Madalina Florea gewann Sierre-Zinal nach dramatischer Aufholjagd – nach einem Sturz im Abstieg – und baute damit ihre Führung in der Saisonwertung 2026 weiter aus, vor der Kenianerin Caroline Kimutai. Myoko ist für alle der drittletzte Schritt zum eventuell großen Sieg.

Verdoppeltes Preisgeld, globale Bühne

Als Teil der von der GTWS für 2026 angekündigten 50-prozentigen Preisgelderhöhung schüttet Myoko Trail wie auch das direkt folgende Jinshanling Great Wall Trail Race in China jeweils 40.800 Euro an die Top 10 der Männer und Frauen aus – doppelt so viel wie in den Vorjahren, mit je 6.000 Euro für die jeweiligen Siegerinnen und Sieger. Übertragen wird das Rennen wie jede GTWS-Station live über die Plattformen von Warner Bros. Discovery, darunter HBO Max, Eurosport und TNT Sports, ergänzt um ein breites Netz internationaler Übertragungspartner.

Nach Myoko wandert der GTWS-Zirkus eine Woche später weiter zur Chinesischen Mauer, bevor im Oktober das große Saisonfinale in Südkorea über die Gesamtsiegerinnen und -sieger entscheidet.

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