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    Trailrunning in Brisbane 2032: Die Chancen stehen Fifty-Fifty

    Still und leise hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine olympischen Fachverbände angeschrieben. Was World Athletics vorschlägt, warum das Programm von Los Angeles 2028 die Latte für Brisbane 2032 noch höher legt – und warum ausgerechnet das Gehen den Weg freimachen könnte.

    Text: Egon Theiner
    Bilder: Wikipedia, GTWS/Koastal Forest

    Als IOC-Präsidentin Kirsty Coventry vor einigen Monaten öffentlich erklärte, neue Wintersportdisziplinen hätten bei den Winterspielen 2030 in den French Alps keine Chance, war das für viele, aber nicht für alle, das Ende einer Diskussion. Aber das betraf den Winter – und nicht den Sommer.

    Ohne große mediale Aufmerksamkeit hat das IOC die internationalen Fachverbände angeschrieben und nach Vorschlägen gefragt: Welche Disziplinen möchten sie für die Olympischen Sommerspiele 2032 in Brisbane auf die Liste setzen? World Athletics – der Weltverband der Leichtathletik und damit auch der übergeordnete Dachverband für Trailrunning – hat geantwortet. Auf der Liste steht – neben allen bisherigen Disziplinen – auch ein Trailrunning-Format über rund 15 Kilometer. Ein ähnliches Format war bereits für die Winterspiele 2030 in den French Alps vorgeschlagen worden – zwar erfolglos, aber nicht vergessen.

    Für Thomas Krejci, Erfolgsmanager von run2gether, sind Olympische Spiele aktuell kein Thema, aber: „Ein großer Nachteil wäre es selbstverständkich nicht, wenn unser Sport olympisch würde. Es sollten sich neue Möglichkeiten an Förderungen und/oder Sponsoren ergeben, dadurch sollten mehr Sportler und Sportlerinnen die Möglichkeit haben, eine Profilaufbahn einzuschlagen. Das ist aktuell schwierig – auch unsere kenianischen Spitzenläufer:innen müssen vorne dabei sein, damit sie davon leben können.“

    Philemon Kiriago, aus Kenia, run2gether: Jahrgang 2002, und Olympiasieger 2032?

    Das überfüllte Programm

    Wer versteht, warum Trailrunning bei Olympia so schwer zu platzieren ist, muss zunächst verstehen, wie voll das olympische Programm bereits ist. Los Angeles 2028 wird die größten Spiele der Geschichte abhalten – mit 353 Medaillenentscheidungen, 22 mehr als Paris 2024, und rund 10.500 Athleten plus bis zu 700 weiteren für die fünf neuen Sportarten. 36 Sportarten, neue Mixed-Team-Events, neue Disziplinen wie Flag Football und Squash. Das Programm wächst. Das IOC möchte gleichzeitig entschlacken. Das ist ein Widerspruch – und Brisbane 2032 muss mit diesem Widerspruch klarkommen, oder noch besser: ihn auflösen.

    Gleichzeitig achtet das IOC zunehmend auf Kriterien, die frühere Generationen von Sportfunktionären zuerst gar nicht und später kaum interessierten: Social-Media-Aktivitäten, Klickzahlen, Follower, Likes. Trailrunning ist in dieser Hinsicht eine der wachstumsstärksten Sportarten der Welt. Das ist ein Argument.

    Die Geher-Frage

    Aber wo soll Platz geschaffen werden? Aus einer Nische im Leichtathletik-Lager kommt eine Befürchtung: Gehen könnte vollständig aus dem olympischen Programm fallen. Zu wenig attraktiv, zu wenig modern, zu wenig soziale Reichweite. Würde das eintreten, entstände nicht nur Platz im Programm – sondern auch ein Pool an Startplätzen für Athleten, den man neu vergeben könnte.

    Allerdings wird World Athletics Gehen nicht selbst aus dem Programm schmeißen. Die Widerstände aus traditionellen Gehernationen (und Medaillen-Anwärtern) wie Spanien und Italien wären zu groß. Es wäre eine Entscheidung, die das IOC treffen müsste – und treffen kann. Denn das IOC befasst sich zunehmend nicht nur mit ganzen Sportarten (siehe Moderner Fünfkampf, siehe Boxen), sondern auch mit einzelnen Disziplinen. Das Madison wurde aus dem olympischen Bahnradprogramm entfernt und später wieder aufgenommen. Im Fechten rotierten die Teambewerbe über mehrere Olympiaden – nicht alle Waffen waren bei allen Spielen vertreten. Das IOC greift ins Programm ein und tut dies konsequenter als je zuvor. Und wenn Gehen fällt, wäre das seine Entscheidung.

    Ruth Mwihaki Gitonga, Kenia, run2gether: Jahrgang 2000, und Olympiasiegerin 2032?

    Das Trailrunning-Dilemma

    Ein Trailrunning-Event über 15 Kilometer bei Olympia – das klingt einfach. Ist es nicht. Rund 40 bis 60 Startplätze wären nötig, aufgeteilt auf Männer und Frauen. Ein Qualifikationssystem gibt es aktuell nicht, weil es auch keines braucht – doch wenn, könnte die World Mountain Running Association eine gewichtige Rolle und ihr Weltcup bzw. ihre Weltrangliste, die sich am ehesten an die vorgeschlagene Distanz annähert, spielen. Auf einer Distanz von 15 Kilometern könnten die Medaillen eher nicht an Spanier und Italiener gehen, sondern – Stand heute – am ehesten an Kenianer. Hier geht es zur aktuellen Weltrangliste.

    Fifty-Fifty

    Wie stehen die Chancen? Die ehrliche Antwort lautet: fifty-fifty. Die Argumente für Trailrunning sind real – Wachstum, Social Media, Jugendlichkeit, globale Reichweite. Die Argumente dagegen sind ebenso real – 353 Events in Los Angeles sind eine Messlatte für Brisbane, die nicht überquert werden darf, sportpolitische Widerstände. Die Entscheidung liegt letztlich nicht bei World Athletics, sondern wohl beim IOC – und sie soll bis Ende 2026 oder Anfang 2027 fallen.

    Klar ist: Der Prozess läuft still und leise, fernab der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Verbände haben geantwortet, die Vorschläge liegen auf dem Tisch, und im Olympic Haus des IOC in Lausanne wird gerade jemand Listen mit Disziplinen, Klickzahlen und Follower-Zahlen vergleichen.

    Trailrunning ist auf dieser Liste. Das ist mehr als vorher.

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    Hintergrund: Am 7. Mai 2026 schloss IOC-Präsidentin Kirsty Coventry Crossover-Sportarten für die Winterspiele 2030 in den French Alps explizit aus: „Es wird ausschließlich Wettbewerbe auf Schnee und Eis geben.“ Die Tür für Crossover-Disziplinen bleibt jedoch für Salt Lake City 2034 ausdrücklich offen – Coventry sagte, solche Sportarten könnten sich für 2034 „potentially lend itself“ eignen. Die Olympischen Sommerspiele Brisbane 2032 finden vom 23. Juli bis 8. August 2032 statt – für diesen Prozess läuft ein separater, unabhängiger Programmüberprüfungsprozess. Die Olympischen Spiele Los Angeles 2028 finden vom 14. bis 30. Juli 2028 statt – mit 353 Medaillenentscheidungen, dem größten Programm in der Geschichte der Sommerspiele.

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