Vom Meer in den Himmel: Wie La Gomera drei Tage lang die Weltspitze des Skyrunnings aufnahm

Mit dem Sky-Finale am Sonntag ist die neunte Auflage der Skyrunning-Weltmeisterschaften zu Ende gegangen. Drei Tage lang verwandelte sich die kleine Kanareninsel La Gomera in das Zentrum der internationalen Szene, 270 Athletinnen und Athleten aus 36 Nationen kämpften um 27 Medaillen, alle 36 Länder sammelten Punkte, zehn holten Medaillen. Am Ende setzte sich Spanien in der Nationenwertung vor Italien und Japan durch – zum dritten Mal in Folge Bronze für die Japanerinnen und Japaner.

Text: Egon Theiner, ISF Media Office
Bilder: Damiano Benedetto Photo

Vertical: Ein 21-Jähriger krönt seine Jugendkarriere

Den Auftakt bildete am Freitag, 18.9., der Vertical über 4,9 Kilometer und 950 Höhenmeter, Start auf 300 Metern über dem Meer, Ziel auf 1.279 Metern. Bei den Männern setzte sich der erst 21-jährige Spanier Lluis Puigvert in 36:37 Minuten durch, nur 13 Sekunden vor seinem Landsmann José Antonio Bellido. Der Italiener Luca del Pero komplettierte das Podest. „Ich hatte nicht erwartet, heute in der allgemeinen Klasse zu gewinnen. Das ist ein Traum, der wahr wird. Das Niveau bei den Jugend-Meisterschaften ist schon extrem hoch, aber hier ist es offensichtlich noch höher“, sagte Puigvert nach dem Rennen. „Ich wusste, dass ich ein gutes Ergebnis erzielen könnte, weil ich in guter Form war, und heute fühlten sich die Beine super an. Ich sah, dass ich vorne lag, und bin einfach losgelaufen. Ich bin wirklich glücklich über den Übergang von der Jugend zu den Erwachsenen!“

Bei den Frauen siegte die Schweizerin Paola Stampanoni in 44:34 Minuten, knapp vor der Niederländerin Everarda Van Dongen. „Ich weiß, dass ich bergauf stark bin, also habe ich alles gegeben – und ich freue mich, wieder einmal zu zeigen, dass auch Niederländerinnen schnell bergauf laufen können“, sagte Van Dongen. Die Italienerin Benedetta Broggi wurde Dritte. Die Bedingungen wichen deutlich von den sonst erwarteten Temperaturen ab: „Wir sind sonst sehr besorgt wegen der Hitze, aber diesmal hatten wir Wind und Temperaturen unter 18 Grad“, kommentierte Marta Perdomo von Gomera Paradise.

Die Besten im Vertical: Paola Stampanoni, Lluis Puigvert

Ein Vorarlberger mischt mit der Weltspitze mit

Für das mit Abstand stärkste deutschsprachige Ergebnis des gesamten Wochenendes sorgte der 21-jährige Vorarlberger Maximilian Meusburger. Mit 37:51,50 Minuten kam er als Fünfter ins Ziel, keine Minute hinter dem Podest. Was diese Platzierung besonders macht: Erst im Vorjahr, bei den Youth-Weltmeisterschaften 2025 in Fonte Cerreto, war Meusburger noch im Nachwuchsbereich unterwegs – dort wurde er im Vertical Fünfter (38:22 Minuten) und im Sky ebenfalls Fünfter (2:34:57 Stunden), jeweils nur wenige Sekunden von einer Medaille entfernt. Im Juni 2026 gab er dann bei den Berglauf-Europameisterschaften Uphill/Downhill sein Debüt in der allgemeinen Klasse auf internationaler Bühne, wurde dort 21. im Einzel und half seinem Team zu Rang fünf. „Die Renneinteilung ist mir sehr gut gelungen, ich war bis auf den letzten Meter konkurrenzfähig“, sagte er damals. Dass er nur drei Monate später bei seiner ersten Senioren-Weltmeisterschaft direkt unter die besten Fünf der Welt lief, unterstreicht eine außergewöhnlich steile Entwicklungskurve. Die offizielle ISF-Berichterstattung würdigte ihn explizit als Medaillengewinner der Youth Championships 2026, der nun auch bei den Senioren angekommen ist.

Die Besten im SkyUltra: Cristian Minoggio, Shangave Balendran

SkyUltra: Minoggios dritter Weltmeistertitel, Balendrans erster

Am Samstag folgte mit dem SkyUltra über 63 Kilometer und 4.100 Höhenmeter die längste und anspruchsvollste Distanz des Wochenendes. Start war bereits um 5 Uhr morgens im nördlich gelegenen Vallehermoso, im Licht der Stirnlampen ging es zunächst auf einer rund 20 Kilometer langen Schleife zurück zum Ausgangspunkt, bevor die Strecke über wechselnden Untergrund Richtung Südosten zum Ziel in San Sebastián de La Gomera führte.

Der Italiener Cristian Minoggio teilte sich seine Kräfte perfekt ein und übernahm im späteren Rennverlauf die Führung vom lange vorne liegenden Spanier Julen Calvo. Nach 6:12:12 Stunden stand sein dritter SkyUltra-Weltmeistertitel fest, nach 2022 und 2024 – nur drei Wochen, nachdem er bereits den CCC gewonnen hatte. „Es gab viele laufbare Abschnitte, aber gleichzeitig war die Strecke sehr hart, abwechslungsreich und technisch. Teilweise liefen wir auf sehr instabilem Untergrund“, beschrieb Minoggio das Rennen. Calvo rettete Silber für Spanien, der Andorraner Samuel Ponce holte Bronze.

Bei den Frauen gab es keine Zweifel: Die Norwegerin Shangave Balendran setzte sich praktisch vom Start weg ab und blieb mit 7:27:16 Stunden als einzige Athletin unter der Acht-Stunden-Marke. Nach ihrem Europameistertitel 2025 war es ihr erster Weltmeistertitel. Balendran schwärmte anschließend von der abwechslungsreichen Landschaft, besonders vom Wechsel zwischen Wald und trockenen Passagen während der Morgendämmerung. Als Läuferin von den Lofoten sei sie zudem froh über den frühen, kühlen Start gewesen. Die Spanierin Mireia Pons und die US-Amerikanerin Careth Arnold lieferten sich einen packenden Kampf um Silber und Bronze, den Pons um gerade einmal neun Sekunden für sich entschied.

Sky: Ein Navigationsfehler entscheidet über Gold

Das Finale am Sonntag bot die dramatischste Geschichte des Wochenendes. Auf der 29 Kilometer langen Strecke von Hermigua nach San Sebastián de la Gomera, mit rund 1.900 Höhenmetern im Anstieg, übernahm der Spanier Fabián Venero – amtierender Sky-Europameister und Youth-Weltmeister 2025 – von der ersten Sekunde an die Führung und hielt sie über weite Strecken. Bei Kilometer 18,5 unterlief ihm jedoch ein folgenschwerer Fehler: Venero übersah eine Streckenverzweigung und lief geradeaus weiter, statt der Markierung zu folgen – ein Umweg von rund 300 Metern, der dem heranstürmenden Italiener Luca del Pero genau die Lücke öffnete, die er brauchte.

„Ich bin die Strecke vorher abgelaufen, also wusste ich, wie ich meine Leistung einteilen musste“, sagte Del Pero nach dem Rennen. „Das Rennen wirkt einfach, ist es aber nicht – vier steile Auf- und Abstiege wechseln sich mit laufbaren Abschnitten ab. Ich wusste, dass es heiß werden würde, und ich habe sehr gelitten. Ich hielt mich auf Position sechs, sieben, und Schritt für Schritt überholte ich die anderen auf den letzten 15 Kilometern, bis ich die Führung übernahm – und den Sieg holte.“ Del Pero kam nach 2:43:27 Stunden ins Ziel und sicherte sich damit seinen zweiten Weltmeistertitel in zwei verschiedenen Skyrunning-Disziplinen, nach seinem früheren SkySnow-Titel. Der Spanier Dimas Pereira, der sich im Schlussabschnitt weit nach vorne gearbeitet hatte, holte mit 2:44:10 Stunden Silber, der Pole Dominik Tabor sicherte sich mit 2:46:52 Stunden Bronze vor dem gestürzten Führenden Venero, der auf Rang vier zurückfiel.

Bei den Frauen führte die Polin Patrycja Stanek von Beginn an und baute ihren Vorsprung zur Streckenhälfte weiter aus, ehe sie einen späten Angriff der Norwegerin Eva Simonsen auf dem Schlussabstieg gerade noch abwehrte. Nach 3:20:29 Stunden stand ihr erster Senioren-Weltmeistertitel fest. „Ich habe mit dem Bergsport bei den Youth-Weltmeisterschaften 2023 begonnen und wurde dort Dritte im Sky. Ein Jahr später wurde ich Vierte im Vertical und Dritte im Sky. Danach startete ich in der Skyrunner World Series – ich wurde bei der Ultraks Extreme im August Dritte, leider bei furchtbarem Wetter, ich möchte da nächstes Jahr nochmal hin. Das war meine erste Senioren-Weltmeisterschaft, und ich wurde Erste! Ich bin wirklich glücklich“, sagte Stanek. Die Italienerin Cecilia Basso, 2018 Jugend-Weltmeisterin, lag zwischenzeitlich nur auf Rang 13, ehe sie sich mit einer bemerkenswerten Aufholjagd bis auf Rang drei vorkämpfte. Die Britin Carys Mai Hughes wurde Vierte, die Spanierin Ana Granda Fünfte.

In der Combined-Wertung (kombiniert aus Vertical und Sky) gingen die Titel an Luca del Pero bei den Männern sowie an Eva Simonsen bei den Frauen. Die Teamwertung gewann Spanien mit 918 Punkten vor Italien (896) und Japan (594).

Die Besten im SkyRace: Luca del Pero, Patrycja Stanek

Die Stimmen der Organisatoren

Renndirektor José Antonio Rodríguez Herrera von Gomera Paradise zeigte sich nach dem Wochenende sichtlich bewegt: „Wir freuen uns sehr, die Weltmeisterschaften auf unserer kleinen Insel La Gomera ausgerichtet zu haben, und sind der ISF dankbar für die Gelegenheit, unsere Insel der Welt zu zeigen. Natürlich danken wir auch allen Läuferinnen und Läufern aus aller Welt und von den Kanarischen Inseln, die sich für Gomera Paradise entschieden haben. Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen. Herzlichen Glückwunsch an alle Siegerinnen, Sieger und Teams, besonders an das spanische Nationalteam, das auf heimischem Boden Weltmeister wurde.“

ISF-Präsident und Skyrunning-Gründer Marino Giacometti ergänzte: „Es war ein unglaubliches Wochenende auf dieser spektakulären Insel, mit starken Athletinnen und Athleten aus aller Welt. Es ist inspirierend und eine enorme Genugtuung zu sehen, wie sehr dieser Sport gewachsen ist. Wir müssen unseren Mitgliedsverbänden dafür danken, dass sie Skyrunning in ihren Ländern entwickeln und an Meisterschaften teilnehmen. Athletinnen und Athleten zu sehen, die über die Jahre bei den Jugend-Meisterschaften geglänzt haben und jetzt als Senioren auf der internationalen Bühne strahlen, berührt mich sehr.“ Ausdrücklich dankte Giacometti auch dem spanischen Verband FEDME, dem Gomera-Paradise-Team, dem kanarischen Tourismusbüro sowie der Inselverwaltung von La Gomera für die Organisation.

Marino Giacometti, ISF-Präsident und Skyrunning-Gründer

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