Historie trifft Trailrunning: Die GTWS kehrt an die Chinesische Mauer zurück

Nur eine Woche nach der Premiere in Myoko setzt die Golden Trail World Series ihre asiatische Reise fort. Am 27. September steht mit dem Jinshanling Great Wall Trail Race einer der spektakulärsten Austragungsorte des gesamten Kalenders an – ein Rennen, bei dem Spitzensport auf Jahrhunderte alte Geschichte trifft, mitten an einem der Sieben Weltwunder. Für die Athletinnen und Athleten ist es zugleich die letzte Gelegenheit, wertvolle Punkte vor dem Muju Trail Grand Finale in Südkorea zu sammeln.

Text: Egon Theiner, Pablo Osorio/GTWS
Bilder: Rising Story/GTWS

Ein Wiedersehen für den amtierenden Sieger

Besonders brisant: Patrick Kipngeno reist nicht nur als frischgebackener Myoko-Sieger nach China, sondern auch als amtierender Champion von Jinshanling selbst. Bei der GTWS-Premiere des Rennens 2025 hatte er sich bei hohen Temperaturen auf staubig-trockener Strecke durchgesetzt, gemeinsam mit Caroline Kimutai, die bei den Frauen gewann. Sollte Kipngeno auch in China erneut vorne stehen, wäre das nach dem run2gether-Dreifachsieg in Myoko der nächste Beleg für die außergewöhnliche Form des kenianischen Trios in dieser entscheidenden Saisonphase.

Chinas dritte GTWS-Saison

Die Serie kehrt bereits zum dritten Mal in Folge nach China zurück. 2024 war das Land mit dem Four Sisters Mountain Trail erstmals Teil des Kalenders, 2025 kam Jinshanling hinzu. Das Rennen selbst wurde 2023 mit dem ausdrücklichen Ziel ins Leben gerufen, sich zu einem internationalen Aushängeschild für Chinas Natur- und Kulturerbe zu entwickeln.

Ausgetragen wird es in den Yan-Bergen, nur rund zwei Autostunden von Peking entfernt, an einem der am besten erhaltenen Abschnitte der Chinesischen Mauer aus der Ming-Dynastie. Die 23 Kilometer lange Rundstrecke mit 1.667 Höhenmetern führt über steile, unebene Steintreppen zwischen den zahlreichen Wachtürmen der Mauer, bevor die Route in die Yan-Berge selbst abzweigt – dort wechseln sich kurze, explosive Anstiege mit ständigen Rhythmuswechseln und technisch anspruchsvollen Passagen ab.

Ein neuer Termin für spektakulärere Bilder

Nach dem GTWS-Debüt im April 2025 wandert das Rennen 2026 bewusst in den Herbst. Der Grund liegt auf der Hand: Um diese Jahreszeit verwandeln sich die Wälder rund um die Mauer in ein Farbenspiel aus Gold-, Rot- und Bernsteintönen, das zusammen mit den jahrhundertealten Befestigungsanlagen eine unvergessliche Kulisse ergibt. „In Jinshanling testen die Läuferinnen und Läufer nicht nur Geschwindigkeit, Ausdauer und technisches Können, sie bewegen sich auch durch eine Landschaft, die von Jahrhunderten Geschichte geprägt ist“, erklären die Organisatoren. „Die alte Mauer und der moderne Geist des Trailrunnings verschmelzen zu einem einzigartigen Erlebnis, das Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet.“

Bereits die erste GTWS-Austragung 2025 hatte für aufsehenerregende Bilder gesorgt, die schnell um die Welt gingen und Jinshanling – eines der großen Symbole des chinesischen Kulturerbes – ins Zentrum der globalen Trailrunning-Aufmerksamkeit rückten. Auch die visuelle Identität des Rennens greift die lokale Kultur auf: Das Logo ist vom einzigen erhaltenen Qilin-Wandgemälde an diesem Mauerabschnitt inspiriert. In der chinesischen Tradition steht der Qilin, ein Mischwesen aus der Mythologie, für Glück, Mut, Integrität, Harmonie, Schutz und das Streben nach Exzellenz – Werte, die laut Veranstalter sowohl die historische Rolle der Mauer als Symbol der Widerstandskraft als auch den Geist des Trailrunnings selbst widerspiegeln.

China als wachsende Kraft im Trailrunning

Über das einzelne Rennen hinaus steht Jinshanling für eine größere Entwicklung: Trailrunning hat sich in China in den vergangenen zehn Jahren enorm ausgeweitet. Das Land ist mittlerweile das einzige weltweit, das nicht nur eine eigene Golden Trail National Championship austrägt, sondern auch eine komplette Golden Trail National Series mit vier Rennen plus Finale. Die jeweils zwei besten Männer und Frauen der Gesamtwertung sowie die besten U23-Athletinnen und -Athleten erhalten darüber ein Golden Ticket für die direkte Qualifikation zum GTWS-Weltfinale.

Passend zur im Rahmen der diesjährigen Preisgelderhöhung von 50 Prozent angekündigten Aufwertung der gesamten Serie schütten die beiden asiatischen Rennen vor dem Finale nun einen Rekordbetrag von 40.800 Euro aus, verteilt auf die besten Zehn bei Männern und Frauen, mit je 6.000 Euro für die jeweiligen Siegerinnen und Sieger.

Für die Veranstalter war die Aufnahme in die GTWS ein echter Wendepunkt: „Die GTWS hat dem Event eine deutlich größere internationale Sichtbarkeit verschafft und ermöglicht es Spitzenathletinnen und -athleten, Medien und Trailrunning-Fans aus aller Welt, Jinshanling zu entdecken. Gleichzeitig hat uns diese Partnerschaft dazu angespornt, unsere organisatorischen Standards, das Athletenerlebnis und unsere internationale Kommunikation weiter zu verbessern.“ Damit ist Jinshanling längst zu einer Brücke zwischen China und der globalen Trailrunning-Community geworden.

Übertragen wird das Rennen weltweit über die Plattformen von Warner Bros. Discovery, darunter HBO Max, Eurosport und TNT Sports, ergänzt um ein breites Netz internationaler Übertragungspartner.

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