GTWS in Korea: Muju entscheidet über die Gesamtsiege

Am Wochenende kürt die Golden Trail World Series in Südkorea ihre Champions. Bei den Männern trennen die ersten drei 46 Punkte, bei den Frauen führt Madalina Florea mit 66 Zählern Vorsprung.

Text: Egon Theiner, Pablo Osorio/GTWS
Bilder: Koastal Forest/GTWS, Muju Trail

Wenn am Samstag um 13 Uhr Ortszeit die Frauen in Südkorea auf die Strecke gehen, beginnt die letzte Entscheidung der Golden Trail World Series 2026. Das Grand Finale im Muju Trail führt über 28,65 Kilometer mit 2.313 Höhenmetern im Aufstieg und gilt als einer der technischsten und härtesten Kurse in der Geschichte der Serie. Die Männer folgen am Sonntag, wieder um 13 Uhr.

Ein Berg, ein Tempel, eine Premiere

Die Serie macht damit zum ersten Mal in Südkorea Station, und sie tut es mit einem Rennen, das eigens für das Finale entstanden ist. Muju liegt in der Provinz Jeonbuk im Herzen des Landes, mitten im Deogyusan-Nationalpark. Start und Ziel befinden sich am Jumping Park des Muju Deogyusan Resorts, eines der größten Skigebiete Südkoreas und das einzige des Landes innerhalb eines Nationalparks.

Gleich nach dem Start geht es steil hinauf zum Seolcheonbong und weiter in die, sagen wir: Hochgebirgszone zum Hyangjeokbong, dem höchsten Punkt des Nationalparks auf mehr als 1.600 Metern. Danach fällt der Kurs hinab zum Tempel Baengnyeonsa, steigt über den Jungbong abermals zum Hyangjeokbong und stürzt noch einmal hinunter zum Tempel. Ein schnellerer Abschnitt gibt den Athleten dort Gelegenheit, Rhythmus zu finden. Dann wartet der Anstieg zum Chilbong, bevor der letzte, rasche Abstieg ins Ziel führt. Die Steigungen erreichen bis zu 40 Prozent, die Abstiege verlangen Mut und Konzentration, vor allem wenn die Müdigkeit zuschlägt.

Baengnyeonsa heißt übersetzt „Weißer-Lotus-Tempel“. Seine Ursprünge reichen in die Silla-Dynastie zurück, und der Legende nach blühte an dieser Stelle eine weiße Lotusblüte, bevor der Tempel gebaut wurde. Im Buddhismus steht der Lotus für Reinheit, Erleuchtung und die Fähigkeit, Leid zu überwinden. Auf dem Weg ins Ziel werden die Läuferinnen und Läufer davon reichlich zu spüren bekommen.

Frauen: Florea gegen Kimutai

Die Rumänin Madalina Florea (Scott) reist als Gesamtführende mit 872 Zählern an und will ihren Titel verteidigen. Ihre schärfste Verfolgerin ist Caroline Kimutai aus Kenia (Salomon), die mit 806 Zählern Zweite ist und damit 66 zurückliegt. Das Duell ist nur ein Teil der Geschichte. Ruth Gitonga (Kenia/Run2Gether On Trail), Barbora Bukovjan (Tschechien/Salomon), Hanna Groeber (Deutschland) und Marie Nivet (Frankreich/beide Nike ACG) haben in der zweiten Saisonhälfte an Fahrt aufgenommen und wollen in der Wertung nach oben, aufs Podest.

Männer: drei Mann, 46 Zähler

Bei den Männern steht Titelverteidiger Elhousine Elazzaoui (NNormal) unter Druck. Philemon Kiriago führt mit 870 Punkten vor seinem kenianischen Landsmann Patrick Kipngeno mit 830, beide laufen für Run2Gether On Trail. Der Marokkaner liegt mit 824 auf Rang drei, nur 46 hinter der Spitze. Offener kann ein Finale kaum sein.

Mehr Punkte, mehr Geld

Das Finale zählt mehr als jedes andere Rennen der Saison: 300 Zähler erhält der Sieger statt der sonst üblichen 200. Dazu kommen Zähler für die drei Teilwertungen Bergauf, Bergab und Sprint, sodass ein Gewinner an einem Tag bis zu 330 Zähler einsammeln kann. Die Veranstalter haben die Strecke bewusst darauf ausgelegt: „Ein Anstieg oder Abstieg ist nicht bloß Teil des Kurses, er kann zu einem Wettkampfabschnitt mit eigener sportlicher Geschichte werden. So kann jeder Abschnitt einen neuen Kampf eröffnen.“

Um Prämien geht es ebenfalls. Die besten 20 der Gesamtwertung teilen sich 231.000 Euro, jeweils 30.000 Euro erhalten die Champions bei Frauen und Männern. Wer die Saison unter den ersten 30 beendet, erhält logistische Unterstützung für die GTWS 2027.

Ein Rennen mit Zukunft

Trailrunning wächst in Südkorea schnell, getragen von einer Gemeinde, die von der Straße in die Berge wechselt. Muju will diesen Schwung nutzen und sich zugleich international auf die Landkarte setzen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der koreanischen Bewerbung um die Olympischen Spiele 2036. „Diese Ausgabe markiert den Beginn eines neuen Kapitels“, sagen die Organisatoren. Der Kurs soll als digitale Ressource erhalten bleiben, damit Läuferinnen und Läufer später dieselben Landschaften selbst erleben können.

Live dabei

Beide Rennen starten um 13 Uhr Ortszeit. In Deutschland und Österreich bedeutet das 6 Uhr am Samstag und 5 Uhr am Sonntag, weil in der Nacht auf Sonntag die Uhren auf Winterzeit zurückgestellt werden. Übertragen wird bei HBO Max, Eurosport und TNT Sports sowie über ein Netz offizieller Broadcaster.

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