Die Golden Trail World Series 2026 endet im koreanischen Muju mit Titeln für Elhousine Elazzaoui (Marokko) und Madalina Florea (Rumänien). Run2gether On Trail stellt drei der vier besten Männer der Gesamtwertung und schrammt dennoch an der finalen Krönung vorbei: Patrick Kipngeno fehlen am Ende zwei Punkte.
Text: Egon Theiner, Pablo Osorio/GTWS
Bilder: Koastal Forest/GTWS, Muju Trai
Am Ende entscheiden zwei lausige Punkte. Elhousine Elazzaoui (NNormal) gewinnt das Grand Finale in Muju in 2:49:14 Stunden, Patrick Kipngeno von run2gether On Trail folgt 43,6 Sekunden dahinter. In der Gesamtwertung steht es 1.130 zu 1.128, und der Marokkaner holt damit seinen dritten Titel in Folge. Nach der offiziellen Preisgeldtabelle der GTWS bekommt der Gesamtsieger 30.000 Euro, der Zweite 20.000. Zwei Punkte sind also zehntausend Euro wert.
Drei Sekunden im Sprint
Wer nachrechnet, wo diese zwei Punkte geblieben sind, landet bei einem einzigen Segment. Die GTWS vergibt seit dieser Saison Bonuspunkte für drei Zeitwertungen auf der Strecke (Sprint, Uphill, Downhill), und zwar 10, 8, 6, 4 und 2 Punkte für die ersten fünf. Das Sprint-Segment in Muju ist 1,1 Kilometer lang, hat ein durchschnittliches Gefälle von 7,7 Prozent und beginnt bei Kilometer 17. Kipngeno wurde dort Dritter. Wäre er drei Sekunden schneller gewesen, hätte er das Segment gewonnen, zehn statt sechs Punkte kassiert und mit 1.132 Punkten die Gesamtwertung für sich entschieden. Drei Sekunden also, verteilt auf sechs (von acht) Rennen, die er in dieser Saison in knapp 13:50 Stunden absolviert hat.
Sechs deshalb, weil Kipngeno nicht überall am Start war. In Zegama stand er nicht auf der Startliste, in Québec fehlte er wegen Visaproblemen. Gelaufen ist er Ledro (Fünfter, 2:00:43), Pitz Alpine (Dritter, 2:13:09), Sierre-Zinal (Zweiter, 2:26:56), Myoko (Sieger, 2:07:12), Jinshanling (Sieger, 2:12:30) und Muju (Zweiter, 2:49:58).

Eine Saison wie gemacht für run2gether
Dabei hatte alles nach dem großen Triumph des Teams von Thomas Krejci ausgesehen. Der österreichische Verein, der eine „Home Base“ in Kals am Großglockner hat, betreibt im kenianischen Kiambogo ein von Athletics Kenya anerkanntes Trainingszentrum für Berglauf und ist seit 2023 in der Serie dabei. Am 1. August, beim „Heimspiel“ im Pitztal, standen Michael Selelo Saoli und Kipngeno hinter Elazzaoui auf dem Podest, bei den Frauen wurde Ruth Gitonga Zweite. Eine Woche später kam der Höhepunkt: Bei Sierre-Zinal feierte run2gether erneut einen Dreifacherfolg – es war dasselbe Podest wie 2025. Philemon Kiriago gewann in 2:26:24 zum dritten Mal, Kipngeno wurde 32 Sekunden dahinter Zweiter, Saoli folgte als Dritter. Elazzaoui schied dort aus.
Im Herbst legte Kipngeno nach. In Myoko holte er seinen dritten GTWS-Sieg in Japan, in Jinshanling siegte er zum zweiten Mal in Folge auf der Chinesischen Mauer. Vor dem Finale führte Kiriago mit 870 Punkten, vor Kipngeno (830) und Elazzaoui (824). Dann wurde Kiriago in Muju Opfer des Ewartungsdrucks und nur Elfter und verlor fast 16 Minuten auf den Sieger. Er rutschte auf Rang drei der Gesamtwertung (1.075), Saoli wurde Vierter (968). Und Kipngeno blieb dort der Sieg – nach vorangegangenen sechs Triumphen in sechs asiatischen Rennen – versagt. Für ihn ist es der vierte zweite Platz in der Gesamtwertung der GTWS-Serie: 2023 hinter Bonnet, 2024 und 2025 hinter Elazzaoui, und nun 2026 wieder hinter ihm.
Elazzaoui: alles auf eine Karte
Der Sieger hatte seine Saison anders gebaut. Er gewann vier von sechs GTWS-Starts (Zegama, Ledro, Pitz, Muju), wurde in Québec Vierter, schied in Sierre-Zinal aus und ließ die Asien-Rennen aus. Er habe in Muju „alles auf eine Karte gesetzt”, sagte er im Interview (. Auf seine Hände schrieb er sich einen Satz von Kilian Jornet: „Run or die”.

Die Frauen: Kolbeinsdóttir überrascht, Gitonga rückt nach
Einen Tag vorher gewann die Isländerin Andrea Kolbeinsdóttir (Salomon) im Regen ihr erstes GTWS-Rennen in 3:19:56. Madalina Florea (Scott) wurde knapp sechs Minuten dahinter Zweite und sicherte sich ihren zweiten Gesamttitel in Folge (1.164 Punkte). Die Mexikanerin Miriam Morales wurde Dritte. „Es ist das härteste Rennen, das ich je gelaufen bin”, sagte Florea. „Ich konnte meinen Körper nicht mehr spüren.”
Hinter Florea liegen Caroline Kimutai (1.016) und Gitonga (982). Für run2gether ist die Kenianerin jene mit dem größten Entwicklungssprung. Sie wurde in Pitz Zweite, gewann in Jinshanling ihr erstes GTWS-Rennen, setzte sich außerdem beim Trofeo Nasego im Berglauf-Weltcup durch und schloss als GTWS-Gesamtdritte ab. Muju war mit Platz sieben und gut 14 Minuten Rückstand nicht ihr Tag. Dass sie am Ende nur acht Punkte vor Barbora Bukovjan (974) landete, war 5.000 Euro wert: Platz drei bringt 15.000, Platz vier 10.000 Euro. Noch trennen sie 182 Punkte von Florea. Wer aber in einer Saison ein Podest im Pitztal, einen Sieg in China und Platz drei der Gesamtwertung sammelt, dem darf man zutrauen, dass der Abstand 2027 schrumpft.

Die DACH-Bilanz
Der Schweizer Joey Hadorn (Salomon), von Salomon als Weltmeister im Orientierungslauf geführt, wurde in Muju Vierter und verpasste das Podest um 1:34 Minuten. In Jinshanling war er Dritter gewesen. In der Gesamtwertung belegt er Rang zehn (743). Sein Landsmann Jonas Soldini, 25, aus der Gegend von Fribourg und Sieger des Eiger Ultra Trail über 16 Kilometer im Juli, wurde 13. Theres Leboeuf (SUI, Compressport/Lowa) lief als Sechste ins Ziel und erzielte die schnellste Zeit am entscheidenden Anstieg. Sie wurde Siebte der Gesamtwertung, einen Punkt hinter Platz sechs. Der Deutsche Finn Hösch (Dynafit), 23 und Olympiateilnehmer von Mailand-Cortina (Skibergsteigen), wurde bei seinem Finale 21. in 3:17:04. Die deutsche Europameisterin Hanna Gröber (Nike ACG), nach einem Handgelenksbruch in China zurück im Rennen, musste in Muju mit Muskelproblemen aufgeben und beendet die Saison als Zehnte.

Zu den Gesamtwertungen: https://goldentrailseries.com/serie/world-series/#ranking
Zu den Ergebnissen von Muju: https://results.stopandgo.pro/2190/ranking/individual/1/2
Quellen: GTWS-Pressemitteilungen zu Muju, Jinshanling, Myoko, Pitz und Ledro, GTWS-Reglement und Preisgeldtabelle (goldentrailseries.com), Ergebnisliste und Gesamtwertung nach dem Finale (Screenshots), trailrunningworld.net (run2gether und die GTWS: Der Weg zur Formel 1, Salomon Pitz Alpine Glacier Trail), iRunFar (Zegama-Vorschau, Sierre-Zinal-Vorschau und -Bericht, Ledro, Pitz), run247, WMRA/ATRA, UTMB-Profile, xc-run.de, hdsports.at, Salomon.
