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    „Wir hören Verstappen zu – aber wir bauen auch den Golf“

    Wie der DYNAFIT Ultra 100 V3 entstand – und warum Hannes Namberger dabei eine Schlüsselrolle spielte.

    Text: Egon Theiner
    Bilder: DYNAFIT

    Hannes Namberger ist obsessed. Das sagt Fred Claes, Commercial Manager Trailrunning bei DYNAFIT, und er meint es als Kompliment. Wenn Namberger ins Büro in Bozen kommt – und er kommt regelmäßig – dann geht es um Details. Die Härte der Mittelsohle. Die Breite der Zehenbox auf Kilometer 80 eines 100-Meilen-Rennens. Die Reaktion des Schaums auf nassem Fels um Mitternacht. „Bei ihm geht es um 2 mm da oder dort“, sagt Claes, „während andere vielleicht einfach sagen: Ich brauche einen Schuh, der mich auch auf der zweiten Hälfte von 100 Meilen frisch hält.“

    Dieser Unterschied – zwischen der Obsession des Eliteathleten und den Bedürfnissen der breiten Laufgemeinschaft – ist der Kern dessen, was DYNAFIT mit dem Ultra 100 V3 gemacht hat.

    Ein Schuh als System

    Davide Bonato weiß, wovon er spricht. Seit eineinhalb Jahren arbeitet der aktive Wettkämpfer als Product Manager Footwear bei DYNAFIT – er kennt beide Seiten: die des Athleten auf dem Trail und die des Entwicklers im Büro. „Man muss den Schuh als System sehen“, sagt Bonato. „Es sind kleine Dinge, die man ändert, aber diese entfalten große Wirkungen.“ Und Fred Claes ergänzt: „Jedes Mal, wenn wir an einem neuen Schuh arbeiten, ist es ein neuer Prozess – mit neuen Materialien, neuen Technologien, neuen Fragen.“

    Die Grundfragen beim V3 lauteten: Was funktioniert? Wo wollen wir hin? Was ist technisch möglich?

    Das Herz des Schuhs

    Die Antwort auf diese Fragen beginnt in der Mitte – buchstäblich. Die Mittelsohle ist das Herzstück des Ultra 100 V3, und sie hat eine neue Technologie bekommen: Supercritical Foam, kurz SCF. Was dahintersteckt, klingt zunächst nach Chemieunterricht, ist aber entscheidend für das Laufgefühl.

    Traditionelle Schaumstoffe – darunter das seit Jahrzehnten in der Schuhindustrie verwendete Ethylenvinylacetat, kurz EVA – entstehen durch eine biochemische Reaktion, bei der Blasen gebildet werden. Diese sind unregelmäßig, unterschiedlich groß, und das beeinflusst Dämpfung und Energierückgabe. SCF funktioniert anders: Statt Chemie kommt Gas – Stickstoff – zum Einsatz. Unter Druck entstehen kleinere, gleichmäßigere Blasen. Das Ergebnis ist ein Schaum, der leichter ist als herkömmliches EVA, mehr Energie zurückgibt und über lange Distanzen stabiler bleibt. Eine Technologie, die ursprünglich im Straßenlauf entwickelt wurde – und nun im alpinen Trailrunning ankommt.

    Was blieb, was sich änderte

    Beim Ultra 100 V3 wurde nicht alles neu erfunden. Die Vibram Megagrip-Außensohle mit 4mm Traction Lugs ist geblieben – bewusst. Besonders auf nassem Gestein und in alpinem Gelände ist diese Sohle seit Jahren gesetzt, und die Trailrunning-Community vertraut ihr. Was sich verändert hat, ist die Passform. Der Vorgänger war schmal geschnitten – ein Erbe aus dem Skyrunning, wo enge, präzise Schuhe für technisches Gelände Standard waren. Der V3 ist breiter, atmungsaktiver, hält den Fuß kühler und trockener. „Die Welt verändert sich“, sagt Bonato. „Wir haben das Marktfeedback sorgfältig ausgewertet und diesen Schuh breiter und komfortabler gemacht – anpassungsfähiger für Athleten aller Art.“

    Von der Elite zur Masse

    Hier kommt Namberger ins Spiel. Fred Claes hat ihn beim Western States Endurance Run 2025 als Pacer begleitet. Sie sprechen dieselbe Sprache – beide sind Läufer. Für die Entwicklung des V3 standen allein für die Mittelsohle sechs bis sieben verschiedene Materialien zur Auswahl. Namberger testete, analysierte, gab Feedback. Nicht als Werbegesicht, sondern als Mitentwickler.

    Der Prozess folgt einem klaren Ablauf: Zuerst sammelt DYNAFIT das Feedback der Athleten zum aktuellen Modell – Fotos, Videos, Beschreibungen von Grip und Dämpfung unter realen Bedingungen. Dann folgt die interne Entwicklung. Dann ein erster Prototyp – Namberger und andere Athleten laufen ihn, DYNAFIT verbringt Tage mit ihnen auf dem Trail. Dann der nächste Prototyp. Repeat. Bis ein Schuh fertig entwickelt ist, vergehen ein bis eineinhalb Jahre – bis er im Laden steht, zwei bis zweieinhalb. Den Ultra 100 V3 zu entwickeln begann 2024, abgeschlossen war der Prozess 2025.

    Was dabei entsteht, ist nicht zwingend identisch mit dem, was Namberger braucht. „Nicht alle Schuhe funktionieren für alle Athleten“, sagt Claes. „Wir hören Verstappen zu – aber wir bauen auch den Golf.“ Die Technologien und Erkenntnisse aus der Eliteentwicklung fließen ein. Aber der Ultra 100 V3 ist kein Rennschuh. Er ist ein Allrounder – mehr Dämpfung, mehr Komfort, mehr Vielseitigkeit. Premium-Kategorie, und mit 160 Euro noch zugänglich in einer Zeit, in der Trailschuhe längst auch 250, 300 oder 350 Euro kosten.

    Eine neue Generation

    Der Ultra 100 V3 läutet laut Fred Claes und Davide Bonato eine neue Generation für DYNAFIT als Marke ein. Seit 2012 baut DYNAFIT Trailschuhe – damals hart, steif, minimalistisch. Heute: weicher, mehr Dämpfung, mehr Laufen, weniger Wandern. Und der Schuh soll auch ohne aufgedruckten Namen erkennbar sein: durch Design, Form und Performance.

    Dass die Marke dabei auf Nachhaltigkeit setzt, ist kein Marketingversprechen. „Haltbarkeit ist die beste Nachhaltigkeit“, sagt Claes. Wer einen DYNAFIT kauft, soll ihm in jedem Gelände und bei jedem Wetter vertrauen können – und sicher sein, dass er ihn ins Ziel bringt.


    DYNAFIT Ultra 100 V3 – Die wichtigsten Fakten

    Preis160 Euro
    Gewichtca. 307g (EU 44)
    Stack34mm Ferse / 28mm Vorfuß
    Drop6mm
    MittelsohleSupercritical Foam (SCF)
    AußensohleVibram Megagrip, 4mm Traction Lugs
    UpperKnit-Material, ca. 40% recycelte Materialien
    PassformBreiter als V2, normal bis breiter Fuß
    Empfohlene DistanzMarathon bis Ultra
    GeländeTechnisches Berggelände, alpines Terrain
    Erhältlich seitMärz 2026
    Nächste GenerationWinter 2028

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