Das Internationale Olympische Komitee (IOC) schließt die Tür für Trailrunning bei den Winterspielen in den Französischen Alpen – aber der olympische Traum lebt weiter. Vorerst.
Text: Egon Theiner
Bild: trailrunning.org.au
In unserer Recherche vom März 2026 haben wir geschrieben, dass der Weg von Trailrunning zu den Olympischen Winterspielen 2030 in den Französischen Alpen lang, beschwerlich und kompliziert ist. Insider bezifferten die Chance auf 30 bis 35 Prozent. Wir haben auch festgehalten, dass dafür die Olympische Charta umgeschrieben werden müsste – denn diese definiert Wintersport als ausschließlich Schnee- und Eissport.
Die Antwort des IOC ist nun gefallen. Sie lautet: Nein.
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry machte es am 7. Mai unmissverständlich klar: „Für 2030 haben wir entschieden – keine Crossover-Sportarten, keine Sommersportarten. Es wird ausschließlich Wettbewerbe auf Schnee und Eis geben.“ Damit ist Trailrunning – oder Cross Country-Lauf, je nach Namensgebung – oder Cyclocross oder Gravel Cycling, die ebenfalls als mögliche Kandidaten gehandelt worden waren – aus dem Winterprogramm 2030 ausgeschlossen, noch ehe die Sportart aufgenommen worden war.
Coventry ließ offen, was nach 2030 möglich ist. Eine Expertengruppe, die im Rahmen des IOC-Reformprogramms „Fit for the Future“ arbeitet, soll in einer zweiten Phase alle Möglichkeiten prüfen – ausdrücklich auch die Aufnahme neuer Sportarten. „Wir müssen herausfinden, wie wir neue, innovative Sportarten ins Programm bringen wollen“, sagte sie. Für die Winterspiele 2034 in Salt Lake City bleibt die Frage damit offen.
Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 2028 ist Trailrunning kein Thema – das ist bereits schon längst entschieden. Aber in Brisbane 2032 könnte eine andere Geschichte werden.
Der Sommer-Weg
Während die Diskussion um die Winterspiele die Schlagzeilen dominierte, läuft seit Jahren eine andere Kampagne – ruhiger, aber beharrlich. Die Trail Running Association of Queensland hat 2023 die „Trail Running 2032 Campaign“ gestartet, eine gemeinschaftsgetragene Initiative mit einem klaren Ziel: Trailrunning als olympische Disziplin bei den Sommerspielen in Brisbane zu etablieren. Die ITRA und ihre 165 Mitgliedsverbände unterstützen die Initiative aktiv.
Brisbane 2032 hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Winteroptionen: Es sind Sommerspiele. Trailrunning ist eine Sommersport (na gut, ein Ganzjahressport), und die Olympische Charta müsste für eine Aufnahme nicht umgeschrieben werden. Gut informierte Kreise weisen darauf hin, dass das olympische Programm ein fixes Athletenkontingent (10.500 Sportlerinnen und Sportler) hat. Für Trailrunning bräuchte man schätzungsweise rund 60 Startplätze – die müssten woanders eliminiert werden. Das würde Streichungen oder Reduktionen bei etablierten Leichtathletik-Disziplinen bedeuten: bei 5.000 oder 10.000 Meter, Gehen, Mehrkampf. Und das würde direkten Konflikt mit Nationen bedeuten, die dort traditionell Medaillen holen – Norwegen, Spanien, Italien, Mexiko beispielsweise. Diese Länder werden nicht tatenlos zusehen.
Der olympische Traum des Trailrunnings ist real. Aber er hat einen Preis – und jemand muss ihn zahlen.
Die IOC-Entscheidung zu 2030 verschiebt die Energie paradoxerweise dorthin, wo sie vielleicht immer besser aufgehoben war: zu den Sommerspielen. Trailrunning ist kein Wintersport, sondern ein Sport der Berge, der Natur und der Jahreszeiten. Brisbane könnte der richtigere Rahmen sein als die Französischen Alpen – ob es auch der mögliche sein wird, das ist die nächste Frage.
Der Weg zu Olympia bleibt lang, beschwerlich und kompliziert.
Quellen
France24/AFP: „IOC rules out crossover sports at 2030 Winter Olympics“, 7. Mai 2026.
trailrunningworld.net: „Rule 6.2 und der Weg in die French Alps: lang, beschwerlich, kompliziert“, März 2026.
Trail Running 2032 Campaign: trailrunning.org.au
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