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    Lowa-Chef Alex Nicolai: „Wir sind sehr ambitioniert“

    Text: Klaus Molidor
    Bilder: Kerstin Rysavy, LOWA

    Jochberg in Tirol. Im Nachbarort von Kitzbühel hat der deutsche Berg- und Wanderschuhspezialist Lowa ein ganzes Fünfstern-Hotel gemietet, um Sporthändlern und Partnern die neue „Brand Identity“ vorzustellen und einzuimpfen. Dazu drängen die Bayern jetzt auch auf den Trailrunning-Markt. Schuhe haben sie seit 2023 im Programm, in der Wahrnehmung sind sie aber erst durch die Verpflichtung von Manuel und Hans-Peter Innerhofer aufgetaucht. Ein Deal, der für Aufsehen sorgte. Jetzt hat Lowa in Jochberg auch mit dem Paceterra Pro den leichtesten Trailrunning-Schuh auf dem Markt vorgestellt. 

    Lowa-Geschäftsführer Alexander Nicolai

    Geschäftsführer Alexander Nicolai nimmt sich am Rande der zweitägigen Veranstaltung auch Zeit für ein Interview mit trailrunningworld.net und spricht über Ambitionen, Strategien und Olympia. Nicolai hat selbst viermal den Ironman auf Hawaii erfolgreich absolviert, ist studierter Sportwissenschaftler und auch ganz tief drinnen im Thema Schuh-Entwicklung. Der heute 51-jährige ist 2019 vom Entwicklungsleiter zum Geschäftsführer aufgestiegen. Zum Interview trägt Nicolai T-Shirt, Jeans und schwarze Lowa-Halbschuhe. Er spricht ruhig und leise aber stets mit einem Lächeln im Gesicht.

    Die Verpflichtung hat also einen doppelten Wert, weil sie das Produkt entwickeln und weil man die Elite braucht, um die Breite zu gewinnen.
    Genau. Einerseits bringt sie Strahlkraft, andererseits Expertise. Mit der Elite entwickelt man High‑Performance‑Produkte, die das Image und die technologische Kompetenz der Marke prägen. Gleichzeitig fließt dieses Know-how in Produkte für die Breite ein – Modelle, die für ambitionierte Hobby- und Freizeitläufer gut geeignet sind.

    Lowa hat im Trailrunning große Ambitionen

    Wenn Athleten bei großen Rennen am Podium stehen, bringt das dann mehr Verkauf bei den Jedermann-Modellen? 
    Das glaube ich nicht. Es gibt Studien, ob eine Sportart eine sogenannte Hero-Sportart ist oder nicht. Fußball, Basketball, Tennis sind solche Sportarten, wo Kids dann schauen, welchen Schuh Ronaldo trägt oder LeBron James. Laufen ist da leider nicht dabei, weil der athletische Läufer ein ganz anderes Produkt laufen kann als der Hobbyläufer. 

    Also es ist nicht “Win on Sunday, sell on Monday”?
    Nein, das ist nicht so. Aber darum geht es auch nicht. Wir wollen ja mit der Markenausrichtung “Go find out” tolle Erlebnisse schaffen. Deshalb bieten wir verschiedene Produkte an, die für jeden Konsumenten zugänglich sind und mit denen er die Natur erleben kann.

    Sie haben auch Theres Leboeuf und Johannes Ostfalk unter Vertrag genommen. Für den DACH-Raum wäre es ja sicher auch interessant Hannes Namberger von Dynafit zu bekommen…
    Also, das weiß ich noch nicht (lacht). Aber klar: Trailrunning ist eine kleine Szene. Die Athleten kennen sich da alle untereinander und die Rennen, bei denen sich die Elite trifft, sind überschaubar. Selbstverständlich reden die miteinander und sprechen auch über das Produkt. Und ja, wenn die Innerhofers unseren Paceterra Pro gut finden, dann werden sie es vielleicht auch einem Laufkollegen da draußen erzählen.

    Wie groß soll das Segment werden?
    Das kann ich jetzt noch nicht verraten. Aber wir sind sehr ambitioniert.

    Das kann man ja am Innerhofer-Deal ablesen.
    Ich würde sagen, ja. Wir haben Wachstumsziele dahinter gepackt, aber die möchte ich im Moment noch nicht publizieren. Es geht erstmal darum gute Schuhe zu entwickeln und positive Erlebnisse auf den Trails zu schaffen. Alles weitere werden wir dann sehen.

    Auch nicht wie viel Marktanteil sie im Trailrunning erreichen wollen und wie viele Paar Schuhe man für diesen Anteil verkaufen muss?
    Natürlich wollen wir Marktanteile gewinnen und das auch zu einem substanziellen Teil unseres Geschäftes entwickeln. Dafür haben wir schon Wachstumsziele definiert, aber die möchte ich jetzt noch nicht preisgeben.

    Die Lowa-Ambitionen auf dem Trailrunning-Markt kommen zu einer Zeit, in der Trailrunning vor den Toren Olympias steht. Gibt es da einen Zusammenhang, weil das dem Sport einen deutlichen Boost geben wird?
    Ja, den Olympia-Effekt gibt es. Aber man muss schauen, wie groß der dann ist. Olympia ist aber nicht unsere Motivation gewesen. Unsere Motivation kommt daher, dass wir eine Outdoor-Schuhfirma sind. Wir wissen, wie man gute Schuhe baut. Wir kommen vom Berg, wissen, wie man Stollenprofile gestaltet. Wir bringen extrem viel Know-how aus dem Outdoor-Schuhbereich mit. Irgendwann haben wir für uns entschieden: Genau das wollen wir nutzen, um die besten Trail-Schuhe zu entwickeln. Das war unsere Überlegung.

    Haben Sie sich dann einen Experten für Laufschuhentwicklung an Bord geholt?
    Nein, nicht wirklich. Wir hatten schon viel Expertise im Haus und haben dann mit Athletenfeedback, mit viel Testing gearbeitet. Wir haben keinen spezifischen Trailschuh-Entwickler angestellt. 

    Auch keinen renommierten Biomechaniker wie Gert-Peter Brüggemann, der für Nike, Asics und Brooks Laufschuhe mitentwickelt hat?
    Nein, auch das haben wir nicht gemacht. Aber wir haben Hendrik Enders (Head of Product Management, Anm.) an Bord, der sich sehr gut auskennt. Er hat selbst Biomechanik in Calgary studiert, an einer der wichtigsten Universitäten in diesem Bereich.

    Der neue Paceterra Pro, den jetzt die Innerhofer-Brüder laufen, wiegt 208 Gramm und ist angeblich der leichteste Schuh auf dem Markt. War das das Ziel als Neuling sagen zu können: „Seht her, wir haben den leichtesten Schuh.“ 
    Nein. Viel mehr wollten wir die besten, leichtesten und dynamischsten Materialien nehmen, die am Markt erhältlich sind und daraus einen Schuh bauen. Und natürlich: Gewicht ist für einen Athleten am Berg extrem wichtig. Die Vorgabe war nicht, den leichtesten Schuh im Markt zu haben, sondern einen sehr leichten Schuh zu bauen mit den besten Materialien, mit dem besten Schaumstoff, mit dem besten Textil. Uns war besonders wichtig bei niedrigem Gewicht eine hohe Performance mit Komfort zu bieten.

    Der neue Paceterra Pro

    Auf welchen Distanzen werden die Innerhofers den Paceterra Pro laufen?
    Die beiden sind top trainiert und können damit auch längere Strecken laufen. Für längere Strecken in dem Schuh, der schon ziemlich leicht ist, muss man top trainiert sein. Also sicher ein Schuh für Athleten und nicht für den durchschnittlichen Hobbyläufer.

    Es gibt jetzt schon die Lowa Trail Trophy. Wird man in naher Zukunft auch bei anderen Rennen als Namenssponsor auftreten?
    Events sind ein wichtiger Teil der Strategie im Trailrunning, ganz klar. Wir haben mit dem Ultratrail Fränkische Schweiz und dem Madrisa Trail Klosters bereits zwei spannende Events, die wir als Hauptsponsor unterstützen. Darüber hinaus schauen wir uns aktuell weitere Formate an, die für uns in Zukunft relevant sein könnten – nicht nur im DACH-Raum, sondern auch in interessanten Märkten wie Spanien, Italien und Frankreich.

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