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    run2gether und die GTWS: Der Weg zur Formel 1

    Ein Kartograph aus der österreichischen Südoststeiermark, rund 60 kenianische Eliteathleten und eine Geschichte, die noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

    Text: Egon Theiner
    Bilder: GTWS/Koastal Forest, GTWS/Rising Story

    Mercedes in der Formel 1. Das bedeutet Dominanz, Budget, Infrastruktur, Weltmeistertitel am Fließband. Toto Wolff, der Österreicher an der Spitze des deutschen Rennteams, ist als Team Principal und CEO das Gesicht eines Imperiums. Was hat das mit einem gemeinnützigen Laufverein aus Graz zu tun, der kenianische Eliteathleten in Kals am Großglockner in Osttirol und in einem Camp im kenianischen Kiambogo auf 2.380 Metern Seehöhe betreut?

    Nicht viel. Und doch.

    Thomas Krejci lacht, wenn man ihm diesen Vergleich am Telefon vorhält. Er ist gerade in Kals, wo er die Laufwochen betreut, und es hat den Anschein, als höre man ein verschmitztes Grinsen des zurückhaltenden, fast schüchternen Mannes in seiner Stimme. „Da liegen nicht Welten, sondern Universen dazwischen“, sagt er. Und hat damit natürlich recht.

    Aber dann blickt man auf die Ergebnislisten der Golden Trail World Series, kurz GTWS, des Jahres 2025. Philemon Kiriago, Patrick Kipngeno, Michael Selelo Saoli – drei Männer von run2gether sweepen das Podest beim Klassiker Sierre-Zinal. Kiriago wird Gesamtdritter der GTWS, Kipngeno Gesamtzweiter – und dies zum dritten Mal in Folge.

    Philemon Kiriago, Sierre-Zinal-Sieger 2025

    Die Frage ist erlaubt: Welches andere Team in der GTWS hat eine ähnliche Durchschlagskraft? Welches Team hat in den letzten drei Jahren auf so breiter Basis so konsequent Spitzenergebnisse geliefert? Die Antwort ist kurz: kaum welche. Salomon vielleicht – mit Athleten wie Tove Alexandersson und Rémi Bonnet. NNormal vielleicht – mit Elhousine Elazzaoui und der ehemaligen run2gether-Athletin Joyce Muthoni Njeru. Aber kein anderes Team bringt die kollektive Dominanz, die run2gether auf die Strecke bringt.

    Ein Eliteteam für ein paar hunderttausend Euro

    run2gether ist das Gegenteil von Mercedes. Es gibt ein sehr überschaubares Budget für Reisetätigkeiten, teilweise müssen die Athlet:innen selbst für ihre Ausgaben aufkommen. Die Asien-Rennen, die im Herbst anstehen, kosten rund 2.000 Euro pro Athlet:in allein für den Aufenthalt – Flug und andere Spesen kommen noch dazu. „Wenn sie überhaupt das Visum erhalten“, sagt Krejci lapidar – denn dies war zuletzt beim Quebec Mega Trail in Kanada nicht der Fall. Kiriago erhielt die Einreisegenehmigung, Kipngeno und andere – die idente Dokumente vorgelegt hatten – nicht. Warum dies so war, bleibt zumindest bei Krejci ein Rätsel.

    Das Vereinsgesamtbudget liegt bei rund 400.000 Euro im Jahr. 150.000 davon fließen in das permanente Trainingslager in Kenia, in drei Trainer und in die Youth Academy. Das Camp in Kiambogo kostet 10.000 bis 15.000 Euro im Monat. Der Rest finanziert sich über Laufwochen in Kals am Großglockner und in Kenia – Gäste die Schulter an Schulter mit kenianischen Weltklasseathleten trainieren und dabei nicht nur den Spitzensport, sondern auch die Sozialprojekte mitfinanzieren.

    „run2gether gibt es seit knapp zwei Jahrzehnten“, sagt Krejci. „Die ersten fünf bis sieben Jahre war es eine reine Sparbüchse, während denen ich nur investierte.“ Heute werden seine Spesen abgedeckt, es gibt ein Auto vom Verein. Krejci selbst, der ein international herausragender Orientierungsläufer war und ein Leben lang als Kartograph gearbeitet hat und seit sieben Jahren hauptberuflich Vater ist (wie er selbst sagt), denkt nun erstmals darüber nach, für seine eigene Arbeit auch entlohnt zu werden. „Ich wollte nie etwas am Projekt verdienen, solange es nicht auf soliden Beinen steht. Und ich wollte nie an kenianischen Athleten verdienen.“ Das ist kein PR-Satz, das ist Haltung. Preisgelder verbleiben zu hundert Prozent bei den Läufer:innen. Von Sponsoren- und Bonuszahlungen gehen 15 Prozent an den Verein.

    run2gether und On sind seit der Gründung der Bekleidungsfirma im Jahr 2010 enge Partner. Aufgrund der in den letzten Jahren gestiegenen finanziellen Möglichkeiten des Schweizer Unternehmens und Hauptsponsors entwickelte sich somit auch der Verein nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich weiter. Neben seinen Sozialprojekten können mittlerweile auch den Topathleten adäquate Verträge angeboten werden. In den Jahren davor wurden Jahr für Jahr die größten Talente des Teams von anderen Managern und Marken abgeworben – darunter auch die spätere London-Marathon-Sieger Daniel Kinyua Wanjiru oder eben auch Joyce Muthoni Njeru.

    Patrick Kipngeno vor Elhousine Elazzaoui

    Von der Straße auf den Trail

    Es begann auf der Straße. run2gether machte mit Geoffrey Gikuni Ndungu beim Dublin Marathon 2011 und 2012, beim Wien Marathon 2013, beim Jungfrau oder Zermatt Marathon – es waren die ersten kenianischen Siege bei diesen Events – auf sich aufmerksam. Beim Großglockner Berglauf 2009 gewann Ndungu vor dem damaligen Weltmeister Jonathan Wyatt. Es war eine Offenbarung, und er würde diesen Lauf weitere Male für sich entscheiden – 2011, 2012, 2014, 2017, 2018.

    Es folgte ein langer, konsequenter Weg nach oben. Lucy Wambui Murigi gewann 2017 im italienischen Premana als erste Kenianerin den Berglauf-WM-Titel und verteidigte ihn 2018 in Andorra. 2022 gewann Patrick Kipngeno in Thailand bei der WMTRC den Titel im Uphill – als erster Kenianer überhaupt. 2023 verteidigte er ihn im Stubaital. Und die run2gether Youth Academy bringt den nächsten nach – Ephantus Mwangi Njeri gewann 2025 den Großglockner Mountain Run im WMRA Weltcup. Er ist ein Eigengewächs des Systems Krejci.

    In der GTWS – und schon mittendrin

    Seit 2023 läuft run2gether in der Golden Trail World Series. Es war das Jahr, in dem Sierre-Zinal Teil dieser Serie wurde – ein Rennen, das der Verein schon lange aus dem Berglauf-Weltcup kannte. Für die laufende GTWS-Saison 2026 hat run2gether acht Athleten nominiert. Nicht alle können überall starten – Visa-Probleme, Reisebudget, Distanzen. Die nahen Rennen – Ledro Sky, Pitz Alpine, Sierre-Zinal – sind gesetzt. Für Kanada und Asien braucht es Visa und finanzielle Möglichkeiten, die nicht immer vorhanden sind.

    Das Ziel ist für alle run2gether-Repräsentanten gleich: sich für das Finale zu qualifizieren – den Muju Trail in Korea Ende Oktober. Die besten vier Ergebnisse aus sieben Rennen kommen in die Wertung, die Top 30 der Gesamtwertung sind startberechtigt. Dass die GTWS 2026 erstmals auch ein Team-Ranking einführt – berechnet aus den besten zwei Männern und zwei Frauen pro Team – ist für run2gether eine zusätzliche Motivation. Und eine zusätzliche Chance. Das Gesamtpreisgeld der Serie beläuft sich auf über 451.000 Euro.

    Je besser man ist, umso mehr Unterstützung gibt es. Es ist ein System das Krejci gut kennt. Beim Berglauf-Weltcup lief es ähnlich. Und am Ende hat run2gether den Weltcup dominiert.

    Drei Säulen, ein Verein

    run2gether steht seit Gründung auf drei gleichwertigen Säulen: Leistungssport, Sporttourismus, Sozialprojekte. Was als Spitzensport begann, zog den Tourismus nach sich – notwendig für die Finanzierung. Und die Sozialprojekte wuchsen organisch: 400 Patenschaften à 20 Euro im Monat, ein Kindergarten in Kiambogo, eine Primary School, eine Youth Academy. Das Camp in Kenia ist heute offiziell das erste Mountain Running Camp von Athletics Kenya. Rund 60 Elitesportler:innen zählt run2gether heute, dazu kommen noch 20 bis 25 jüngere Athlet:innen, die noch auf dem Weg sind.

    Thomas Krejci sitzt nicht in einem Glaspalast und bewegt keine Hunderte von Millionen Dollar oder Euro. Er sitzt in Kals am Großglockner, betreut seine Läufer und denkt darüber nach, wie run2gether in den nächsten zwanzig Jahren aussehen soll. Kals soll als touristisches Höhentrainingszentrum für Trail etabliert werden. Im Spitzensport will er den Fokus auf Trail schärfen, ohne jene Grundschnelligkeit zu verlieren, die für Top-Platzierungen heutzutage notwendig ist. Und den Nachwuchs muss er weiter fördern – weil Ephantus Mwangi Njeri bewiesen hat, dass das System funktioniert. Es wird weitere geben.

    Der Weg von run2gether zu Mercedes in der Formel 1 – da liegen Universen dazwischen. Aber der Weg von run2gether zur absoluten Spitze der GTWS – der ist kürzer, als man denkt.

    Philaries Jeruto Kisang (l.), Kiriago

    Thomas Krejci und sein Team beim Ledro Sky Race, einem GTWS-Rennen im Frühsommer 2026

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