Menschliche Bedürfnisse machen auch vor Ultraläufen nicht halt. Wie man sein Geschäft in der Natur verrichtet und warum man von einem Blatt Klopapier immer ein Stück abreißen sollte.
Text: Klaus Molidor
Foto: GGUT/Wisthaler
Der Kreislauf der Natur macht für niemanden eine Ausnahme. Was oben eingefüllt wird, muss irgendwann auch unten wieder raus. Punkt. Im Optimalfall geht sich die sportliche Betätigung so aus, dass man unterwegs keine Toilette braucht. Bei einem Ultralauf, der über mehr als halbe oder sogar ganze Tage geht, sinkt diese Wahrscheinlichkeit dramatisch. Also, das könnte jetzt ein bisschen unappetitlich werden, aber: wir müssen einmal darüber sprechen, was man tun muss, wenn man es tun muss.
Da wäre einmal die Wahl des Ortes. Schon klar, wenn einen der Drang überfällt, bleibt oft nicht viel Zeit zum Location-Scouting, aber ein paar Grundregeln lassen sich leicht einhalten. Erstens: ausreichend Abstand zur Strecke. Zweitens: ausreichend Abstand zu jeglicher Wasserquelle. Die amerikanische Trailrunnerin Heather Hart rät in ihrem Blog „Relentless Forward Commotion“ zu 200 Fuß, das sind umgerechnet knapp 61 Meter. Während Urin noch relativ harmlos im Boden versickert und auch keine Parasiten oder Krankheitserreger enthält, sieht das bei Fäkalien komplett anders aus. Im Stuhl befinden sich Millionen von Bakterien und Viren. Müßig zu sagen, dass wir die nicht mit einem Schluck aus einem Gebirgsbach mitaufnehmen wollen.
Daher gibt es einen Tipp, der unter Bergsteigern bekannt ist, wie der österreichische Ultra-Läufer und mehrfache UTMB-Finisher Florian Grasel erklärt. „Man nimmt einen Stein, gräbt damit ein Loch und nach verrichtetem Geschäft schüttet man es wieder zu.“ So kann niemand hineinsteigen und neben einer sauberen Optik hat es auch olfaktorische Vorteile. „Im Training mache ich das immer so“, sagt Grasel. Im Wettkampf etwa nicht? „Da hatte ich bislang das Glück, dass ich entweder keinen Drang hatte, oder es immer bei einer Labestation auf einer Berghütte verrichten konnte“, sagt der Niederösterreicher hörbar erleichtert.
Außerdem hat sich laut Grasel bei den großen Ultra-Wettkämpfen etwas ganz anderes etabliert. „Dort bekommt man ein vorgefertigtes Sackerl, in das man sein Geschäft verrichtet und bis zur nächsten Labestation mitnimmt.“ Die Community würde sich nahezu gänzlich an diese reduzierte Art der mobilen Toilette halten. Leute die das schon probiert haben, berichten davon, dass es deutlich schlimmer klingt als es ist.
Dass der Ort wenn möglich auch einen Sichtschutz bieten sollte, versteht sich hoffentlich aus dem eigenen Schamgefühl heraus oder dem Respekt anderen gegenüber von selbst. „Bei einem Ironman hab ich das einmal anders erlebt“, berichtet Grasel. „Nicht so ein schöner Anblick.“
Also: Der Ort ist gefunden, das Loch gegraben, bleibt die Ausrichtung, bevor es in die tiefe Hocke geht. „Das Hinterteil talwärts“, rät Heather Hart. Logisch, damit die Ausscheidungsprodukte tendenziell vom Körper wegrinnen. Die Shorts sollte man übrigens nur bis zu Knien runterlassen, damit sie auch sicher keinen Kontakt mit – ähem, der Sache – bekommen. Vorsicht, wenn man sich aus Balancegründen wo festhalten will. „Ich hatte es mal so eilig, dass sich das Bäumchen, an dem ich mich festhalten wollte, als Ast entpuppt hat, der nur zufällig senkrecht in der Erde gesteckt ist“, erzählt Heather Hart. Eine Rolle rückwärts im Gelände war die Folge. Wir lernen: Rumpfstabilität und Balance-Training machen sich nicht nur bei der Lauf-Performance bezahlt.
Damit bleibt noch die Sache der eigenen Säuberung. Klopapier sollte man in einem Beutel transportieren und nicht direkt in der Kleidung. Schweiß und mehrlagiges Papier werden sonst zu einer unzertrennlichen Einheit. Es braucht auch gar keine ganze Rolle – schließlich zählt beim Ultra ja nahezu jedes Gramm, das man extra mitschleppen muss. Ein paar Blätter reichen – wie Ultra-Läufer Grasel sagt. „Ein Bergführer hat mir das auf einer Expedition mal erklärt. Man braucht nur ein Blatt, das man sich über den Finger stülpt und damit die Reinigung durchführt. Aber: Vorher sollte man unbedingt ein kleines Stück abreißen, denn falls das Blatt reißt, kann man mit dem kleinen Stück den Fingernagel säubern…“
