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    100 Kilometer, drei Dreitausender – Rosanna Buchauer bezwingt die „Hoch-Tirol“

    In 30 Stunden und elf Minuten überquert die deutsche Athletin den Großen Geiger, den Großvenediger und den Großglockner laufend und nonstop – als Erste überhaupt im Sommer.

    Text: Klaus Molidor
    Bilder: DYNAFIT/Peak Pixel Café

    Vier Rennsiege hat Rosanna Buchauer (hier geht es zu ihrem UTMB-Index) heuer zu Buche stehen, darunter jener beim  Zugspitz Ultra 108 by UTMB sowie beim Istria 100 by UTMB im 69-Kilometer-Rennen, den Wildstrubel by UTMB sowie das Patagonia Bariloche by UTMB Ende November hat sie noch auf dem Zettel – und  trotzdem hat die deutsche DYNAFIT-Athletin, die in Innsbruck lebt, ihre große Erfüllung 2026 ganz wo anders erlebt. Bei einem Projekt, das so noch niemand umgesetzt hat – die Mission Hoch-Tirol. Eine Route, die von Kasern in Südtirol über drei Dreitausender, mehr als 100 Kilometer mit 10.000 Höhenmetern bis nach Kals am Großglockner führt.

    Als der Gedanke an die laufende Überschreitung des Großen Geigers (3.360m), des Großvenedigers (3.674m) und des Großglockners (3.798m) erstmals 2022 in ihr aufkeimt, ist vieles unklar. „Ich wusste nicht, ob das im Sommer überhaupt machbar ist“, erinnert sich Buchauer. Seit Mitte August 2026 wissen wir: Es ist machbar. 30 Stunden und elf Minuten hat Buchauer für die Route benötigt, hat sich dabei nur 18 Minuten Rast gegönnt. „Da wollte ich eigentlich schlafen, es ging aber nicht.“ 

    Als sie am Gipfel des Großglockners ankommt, sieht man ihr die Genugtuung im Gesicht an. Ein Jahr zuvor musste sie nach 18 Stunden aufgeben – wegen des Wetters. „Und weil ich zu schlecht vorbereitet war“, gesteht sie. Das nagt an ihr, lässt sie lange nicht los. „Die erste Woche danach ist es mir sehr schlecht gegangen.“ Das Scheitern musste wohl sein, um den Erfolg zu ermöglichen. „Die Erfahrung aus dem Vorjahr hat mir sehr geholfen.“ Immer und immer wieder scoutet sie die Strecke, schaut sich die Abschnitte genau an, checkt, wo sie was brauchen wird.

    Copyright: DYNAFIT | Peak Pixel Café

    Was sie vor allem gebraucht hat, war ein zehnköpfiges Team, das sie betreut und begleitet hat. Zumindest zwei Leute waren immer mit ihr unterwegs, haben Equipment wie Steigeisen, Schuhe, Eispickel, Kletterausrüstung getragen. Die baskische Trailrunnerin Igone Campos war dabei, sowie die Ex-Athleten Philipp Reiter und auf der zweiten Hälfte Jakob Herrmann. „Es wäre vielleicht auch möglich, das alleine zu machen“, sagt Buchauer, „aber es wäre unverantwortlich.“

    Mehr als einmal stand das Projekt vor dem Abbruch. „Auf jedem Gipfel eigentlich“, sagt Buchauer. „Da dachte ich, es geht nicht weiter – und dann ist es trotzdem weitergegangen.“  Denn auch wenn sie Erfahrung mit langen Distanzen hat – das hochalpine Gelände ist noch einmal eine ganz andere Nummer. „Es war krass zu sehen, wie sehr sich die Strecke in der Vorbereitung verändert hat. Dass wir über so viele Gletscherspalten springen mussten, hätte ich nicht erwartet.“ Das fordert Körper und Geist. Jeder Schritt auf diesem Terrain will wohlgesetzt sein. Trotz Schlafentzug kommt Buchauer gut voran. „Mit Halluzinationen habe ich gerechnet, die sind aber nicht gekommen. Nur einmal war mir auf einer Kletterpassage schwindlig. Das habe ich mit Koffein und Zucker aber schnell wieder in den Griff bekommen.“  

    Immer wieder muss sie auch die Schuhe wechseln. Steigeisenfeste Bergschuhe folgen Laufschuhen und umgekehrt. „Die meiste Zeit hatte ich den DYNAFIT Ultra 100 v3 an“, sagt Buchauer. „Ein super Allrounder, bei dem du nach vier, fünf Stunden ein Gefühl in den Füßen hast, als wäre es erst eine Stunde gewesen.“ Und der Schuh war auch nicht speziell an ihre Bedürfnisse adaptiert. „Das ist das Modell von der Stange sozusagen, das es auch ganz normal im Geschäft zu kaufen gibt.“ Als DYNAFIT-Athletin gibt sie Produktmanagern natürlich wertvolles Feedback. Aber eine Materialtüftlerin ist sie nicht. „Eine Kleinigkeit hier anpassen, oder irgendwas an der Laufweste verändern – das mache ich nicht. Darauf verschwende ich keine Energie.“  

    Copyright: DYNAFIT | Peak Pixel Café

    Drei Tage nachdem sie die Mission erfolgreich beendet hat, kommen immer noch sehr viele Bilder in ihr hoch. „Ich träume sehr viel davon.“ Eine Zufriedenheit strömt aus ihren Worten. „Weil wir das als Team geschafft haben und alle gut angekommen sind.“ Codewort für einen Abbruch hat es übrigens keines gegeben. „Ich kenne alle aber sehr gut und kenne sie auch in Wettkampf- und Extremsituationen“, sagt Buchauer. 

    Mit einem Rennen sei ein Projekt wie die Hoch-Tirol nicht zu vergleichen. „Die Logistik ist 100 zu 1. Vor einem Rennen lade ich den GPX-Track herunter, bespreche mit dem Trainer die ungefähre Rennzeit, reise zwei Tage vorher an und laufe. Hier bin ich drei Monate lang immer wieder auf Teil der Strecke gegangen.“ Auch fixen Zeitpunkt gab es keinen. Den gibt im Hochgebirge das Wetter vor. „Du brauchst 100 Prozent Schönwetter. Darum haben wir alle ein Zeitfenster von zwei Wochen geblockt.“ 

    Copyright: DYNAFIT | Peak Pixel Café

    Neben der körperlichen brauchte es auch eine intensive und gute mentale Vorbereitung. „Ziele sind Wegweiser, nicht Maßstäbe“, sagt Buchauer. Mit diesem Motto nähert sich die 35-Jährige extremen Herausforderungen und versucht alles so anzunehmen, wie es kommt. „Am Tag X hatte ich dann ein sehr gutes Gefühl und war ganz ruhig.“ Ein bisschen fühle sich alles an wie eine Erstbesteigung. „Das ist schon etwas das bleibt.“

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