World Trail Majors – Ultra-Trail Cape Town

World Trail Majors Short Series – RMB Ultra-Trail Cape Town PT55 – 2025


📸 Fotograf: Veranstalter / RMB Ultra-trail Cape Town

Die Mother City hat geliefert: Beim RMB Ultra-Trail Cape Town (UTCT) verwandelte sich der Tafelberg an diesem November-Wochenende in eine Bühne für einige der besten Trailrunner:innen der Welt. Rund um das Race Village im Gardens Rugby Club und entlang der Trails von Table Mountain National Park herrschte drei Tage lang Volksfeststimmung – Kuhglocken, Fahnen und eine laute Supporter-Zone in Newlands inklusive.

UTCT 2025 markiert gleichzeitig das große Saisonfinale der World Trail Majors. Über sechs Distanzen von 16 KM bis zum 100-Miler kämpfen mehr als 2.800 Läufer:innen aus fast 50 Nationen um Finisher-Medaillen, Preisgeld und die letzten Punkte für die Serienwertung. Die Strecken führen vom Atlantik über den felsigen Rücken des Tafelbergs bis hinunter in die bewaldeten Hänge oberhalb der Stadt – technisch, steil und mit abrupt wechselnden Bedingungen zwischen einstelligen Temperaturen am Morgen und über 30 Grad am Nachmittag.

Im Zentrum des Interesses stand an diesem ersten Wettkampftag die Peninsula Traverse 55, kurz PT55. Der Kurs führt über 56,7 KM und 2.644 HM von der Küste bei Llandudno über Hout Bay und die Hänge des Tafelbergs zum Ziel im Gardens Rugby Club – und war in diesem Jahr das abschließende Rennen der Short Series by World Trail Majors, die 2025 erstmals ausgetragen wurde.

Peninsula Traverse 55 (PT55)

📸 Fotograf: Pippa Yates/ RMB Ultra-trail Cape Town

Die Short Series verfolgt das Motto „Races for Everyone“ und bündelt zwölf ausgewählte 50-KM-bis-Marathonplus-Rennen weltweit. In die Gesamtwertung fließen die zwei besten Resultate ein – entsprechend hoch war der Druck auf jene Athlet:innen, die in Kapstadt noch um den Titel kämpften. Vor allem die Favorit:innen aus China, Jianjian Yang und Fuzhao Xiang, sowie Herausforderer:innen wie Robbie Simpson (GBR) und Ram Maya Budha (NPL) reisten mit klaren Szenarien im Kopf an den Fuß des Tafelbergs.

Männer-Rennen – Wingenfelds Streckenrekord im großen Finale

Vom Start in Llandudno weg entwickelte sich ein schnelles Männerrennen. Robbie Simpson (GBR), aktueller Streckenrekordhalter, und Konstantinos Paradeisopoulos (GRC) machten früh Tempo, begleitet von Jeshurun Small (USA), Charles Hamilton (AUS), Miguel Heras (ESP), Johannes Wingenfeld (DEU) und Lokalmatador Brandon Hulley (ZAF). Bereits vor Hout Bay bei KM 15 zeichnete sich eine Spitzengruppe ab, die auch auf dem Strandabschnitt nicht zerfiel.

📸 Fotograf: Sam Clark / RMB Ultra-trail Cape Town

Simpson nutzte seine Streckenkenntnis und führte über lange Passagen, variierte den Rhythmus und testete damit seine Konkurrenten. Der Brite wusste: Nur ein Sieg würde ihm im Short-Series-Klassement noch eine realistische Chance gegen Serienspitzenreiter Jianjian Yang (CHN) eröffnen. An der Verpflegungsstelle Belle Ombre etwa zur Rennhälfte waren Simpson, Small, Hamilton und Wingenfeld gemeinsam in Front, während Heras knapp dahinter lief. Wingenfeld, der in dieser Saison bereits beim Oberaudorf Trail Festival auf dem Brünnstein Speed triumphiert hatte, wirkte zusehends frischer.

Im zweiten Rennteil warteten zwei weitere längere Anstiege auf den Hängen des Tafelbergs. Dort fiel die Entscheidung: Der Deutsche nutzte die steilen Rampen und technischen Passagen, um sich Schritt für Schritt von Simpson zu lösen. Auf den letzten Kilometern hinunter Richtung Newlands Forest und Gardens Rugby Club änderte sich an der Reihenfolge der Top Drei nichts mehr – Wingenfeld verteidigte seinen Vorsprung souverän bis ins Ziel.

Nach 5:13:26 Stunden lief Johannes Wingenfeld (DEU) als Sieger ins Ziel und verbesserte den bisherigen Streckenrekord deutlich. Sieben Minuten später folgte Ex-Rekordhalter Robbie Simpson (GBR), weitere sechs Minuten danach komplettierte Charles Hamilton (AUS) das Podium. Dahinter sorgten James Miller (ZAF) und Kane Reilly (ZAF) als Vierter und Fünfter für starke lokale Ergebnisse, während Trail-Legende Miguel Heras (ESP) als Sechster die Dichte des Feldes unterstrich. Mit dem Sieg in Kapstadt krönte sich allerdings Jianjian Yang (CHN), dank seiner beiden Saisonsiege in Hongkong und Vietnam zum Gesamtsieger der Short Series.

Männer-Podium PT55

  • 🥇 Johannes Wingenfeld (DEU) – 5:13:26
  • 🥈 Robbie Simpson (GBR) – 5:20:26
  • 🥉 Charles Hamilton (AUS) – 5:26:26
📸 Fotograf: Pippa Yates/ RMB Ultra-trail Cape Town

Frauen-Rennen – Lokaler Coup und chinesischer Serientitel

Im Frauenfeld ging es nicht nur um den Tageserfolg, sondern auch um die Short-Series-Krone. Fuzhao Xiang (CHN), Seriensiegerin in Japan, Vietnam und Australien, trat in Kapstadt nicht an und war damit auf Schützenhilfe angewiesen. Ihre schärfste Rivalin Ram Maya Budha (NPL) musste den PT55 gewinnen, um nach ihrem Triumph beim Hong Kong 100 gleichzuziehen. Entsprechend offensiv legte die Nepalesin los.

Kurz nach dem Start sortierte sich eine Spitzengruppe um Budha, Bianca Tarboton (ZAF), Lokalhoffnung Rebecca Kohne (ZAF) und die Französin Olivia Dubernn (FRA). Nach Hout Bay sorgte der lange, steile Anstieg mit seinen charakteristischen Serpentinen für die erste echte Selektion: Tarboton und Budha hielten das Tempo hoch, Kohne und Dubernn blieben jedoch in Schlagdistanz. Dahinter versuchten weitere Topläuferinnen wie Varvara Shikanova (MNE) und Kimi Schrieber (GER), den Anschluss nicht zu verlieren.

Spätestens beim letzten großen Versorgungspunkt am Newlands Reservoir bei KM 47 kippte das Rennen zugunsten der Südafrikanerin. Kohne präsentierte sich noch stark und kontrolliert, während Budha sichtbar zu kämpfen hatte. Dubernn konnte ihre starke Performance auf den Downhills ausspielen. Auf den verbleibenden Kilometern über die Wurzeltrails Richtung Ziel baute Kohne ihren Vorsprung aus.

Nach 6:11:44 Stunden lief Rebecca Kohne (ZAF) im Gardens Rugby Club zu ihrem bislang größten internationalen Erfolg ein – und das ausgerechnet bei ihrem ersten Ultra. Dahinter holte sich Olivia Dubernn (FRA), die bereits 2023 beim UTCT 100 KM in den Top Ten stand, den zweiten Platz, während Ram Maya Budha (NPL) als Dritte ins Ziel kam. Damit verpasste die Nepalesin die benötigte Kombination aus Siegen – und Fuzhao Xiang (CHN) stand als Short-Series-Gesamtsiegerin fest, ohne in Kapstadt starten zu müssen.

Frauen-Podium PT55

  • 🥇 Rebecca Kohne (ZAF) – 6:11:44
  • 🥈 Olivia Dubernn (FRA) – 6:16:59
  • 🥉 Ram Maya Budha (NPL) – 6:21:28

Aus deutschsprachiger Sicht konnte vor allem Kimi Schreiber (GER) ein starkes Ergebnis abliefern. Für die als eine der Mitfavoritinnen gehandelte Deutsche reichte es für den ganz großen Coup in dem extrem stark besetzten PT55 zwar nicht, doch mit einem Top10 Resultat unterstreicht sie ihre starke Form.

Der PT55 hat das geliefert, was sich die World Trail Majors vom Finale der Short Series erhofft hatten: ein internationales Topfeld, ein technisch anspruchsvoller Kurs und zwei Sieger:innen, die sich ihren Erfolg mit mutigen Rennentscheidungen erarbeiteten. Mit Wingenfeld und Kohne trugen sich zwei Athlet:innen in die Siegerliste ein, die nun im Elitefeld nicht mehr unerkannt bleiben können.

Gleichzeitig setzten sich in der Serienwertung mit Jianjian Yang (CHN) und Fuzhao Xiang (CHN) zwei Läufer:innen durch, die über das Jahr hinweg die konstantesten Leistungen ablieferten und die Idee der Short Series – zugängliche, aber anspruchsvolle Ultra-Distanzen rund um den Globus – ideal verkörpern. Während für sie die Saison in Kapstadt mit dem Blick von der Ziellinie endet, stand für viele andere noch der Höhepunkt bevor: Der UT100 über 100 KM, der am Folgetag als Flaggschiffrennen der World Trail Majors über die Bühne ging und die Gesamtwertung der Langdistanz entschied.

UT100 – 99 KM rund um den Tafelberg

Die UT100-Distanz gilt als eine der kompetitivsten Strecken des gesamten RMB Ultra-Trail Cape Town. Der Kurs misst laut Veranstalter 99,1 KM bei 4.676 HM und ist klar „frontgeladen“: Bereits in den ersten 50 KM stehen die großen Schlüsselanstiege auf Signal Hill, Platteklip Gorge und Karbonkelberg an, bevor auf dem Rückweg in Richtung Gardens mehrere kürzere, aber nicht minder selektive Anstiege und schnelle Waldpassagen folgen. Neun Verpflegungspunkte, ein Zeitlimit von 26 Stunden und Start/Ziel beim Gardens Rugby Club bilden den Rahmen für den letzten Tang der World Trail Majors.

Als Finale der World Trail Majors und letzter großer Trailklassiker des Jahres zog der UT100 2025 ein Weltklassefeld an – darunter den zweifachen Titelträger Dmitry Mityaev (Neutral), US-Ultra-Spezialist Jeff Mogavero (USA), den Deutschen Marcel Hoeche (GER) sowie bei den Frauen die frisch gekürte Vizeweltmeisterin über die Long Trail-Distanz, Sunmaya Budha (NEP), und die deutsche Topathletin Rosanna Buchauer (GER).

Männer: Mogavero vs. Mityaev – Showdown bis zur letzten Rampe

Vom frühen Start um 04:00 Uhr an setzte Jeff Mogavero das Rennen von vorne unter Druck. Bereits auf dem ersten langen Anstieg über Signal Hill lagen die Top-Acht innerhalb einer Minute, mit Mogavero, Mityaev, Hoeche, Matthew Healy (ZAF) und Chris Myers (USA) in der Spitzengruppe. Über Kloof Nek und die brutal steile Platteklip Gorge – rund 900 HM auf kurzer Distanz – konnte Mogavero seine Führung ausbauen; bei KM 30 lag er bereits über drei Minuten vor seinen Verfolgern.

Im Mittelteil des Rennens, wenn die Strecke wieder Richtung Meereshöhe abfällt und Hitze zum entscheidenden Faktor wird, übernahm Mityaev die Initiative: Zwischen Hout Bay und den nächsten langen Kletterpassagen schmolz der Vorsprung des US-Amerikaners, nach rund 56 KM lag der Russe nur noch 30 Sekunden zurück. Kurz darauf zog Mityaev vorbei und baute seinen Vorsprung auf bis zu fünf Minuten aus, während Mogavero und Lokalmatador Healy um die Verfolgerpositionen kämpften.

Auf den letzten 20 KM, zwischen Nursery Ravine, Newlands Picnic und dem finalen Anstieg zurück zum Contour Trail, kippte das Rennen ein letztes Mal: Mogavero fand im Schlussdrittel neue Kräfte, reduzierte den Rückstand am letzten langen Anstieg kontinuierlich und schloss kurz vor dem höchsten Punkt wieder zu Mityaev auf. Im abschließenden Downhill hinunter zum Gardens Rugby Club spielte er seine technische Stärke aus und holte sich nach 11:04:53 Stunden den Sieg – gerade einmal 31 Sekunden vor Mityaev. Healy komplettierte als Dritter das Podium und sorgte für Jubel bei den südafrikanischen Fans.

Aus DACH-Perspektive bleibt der UT100 ambivalent: Marcel Hoeche (GER) lag in der Anfangsphase in der Spitzengruppe, musste das Rennen aber – wie schon in früheren Ausgaben – vorzeitig beenden. In der Gesamtwertung der World Trail Majors bleibt der DACH-Raum damit ohne Spitzenplatz auf der 100-KM-Distanz.

📸 Fotograf: Sam Clark / RMB Ultra-trail Cape Town

Männer-Podium UT100

  • 🥇 Jeff Mogavero (USA) – 11:04:53
  • 🥈 Dmitry Mityaev – 11:05:24
  • 🥉 Matthew Healy (ZAF) – 11:11:26

Frauen: Budha läuft in eigener Liga

Das Frauenrennen entwickelte sich früh zu einer Demonstration von Sunmaya Budha. Nach dem ersten Anstieg über Signal Hill führte zunächst Antonina Iushina (Neutral), doch spätestens am langen Kletterstück durch die Platteklip Gorge übernahm Budha die Kontrolle: Am höchsten Punkt lag sie bereits mehrere Minuten vor der Konkurrenz. Auf dem technisch anspruchsvollen Übergang und den folgenden Downhills vergrößerte sie ihren Vorsprung weiter, während Iushina und Rosanna Buchauer um die Verfolgerrolle kämpften.

Auf dem Rückweg Richtung Hout Bay und in den finalen 30 KM zeigte Budha eine beeindruckend konstante Performance: Weder Hitze noch das Profil mit mehreren kurzen, steilen Kicks konnten ihren Rhythmus brechen. Iushina behauptete sich dahinter stabil auf Platz zwei, während Tara Fraga (USA) sich aus der zweiten Reihe nach vorn arbeitete und am Ende vom Ausstieg Buchauers profitierte. Budha erreichte das Ziel nach 12:25:55 Stunden mit nahezu einer Stunde Vorsprung auf die Konkurrenz – ein Statement-Sieg zum Abschluss einer ohnehin herausragenden Saison.

Für die deutschsprachige Szene ist die Aufgabe von Rosanna Buchauer (GER) bitter: Nach zuvor schwierigen Rennen bei Western States und den Trail-Weltmeisterschaften setzte sich die Pechsträhne mit einem weiteren DNF fort. Auf der Habenseite steht jedoch, dass mit Julika Pahl und mehreren südafrikanischen Athletinnen Läuferinnen mit europäischen Wurzeln in den Top Ten auftauchten.

📸 Fotograf: George Dayson / RMB Ultra-trail Cape Town

Frauen-Podium UT100

  • 🥇 Sunmaya Budha (NEP) – 12:25:55 iRunFar+1
  • 🥈 Antonina Iushina – 13:33:31 iRunFar+1
  • 🥉 Tara Fraga (USA) – 13:47:04 iRunFar+1

Mit den Siegen von Johannes Wingenfeld (GER) und Rebecca Kohne (ZAF) auf dem PT55 sowie den Triumphzügen von Jeff Mogavero (USA) und Sunmaya Budha (NEP) auf dem UT100 hat das RMB Ultra-Trail Cape Town 2025 ein starkes Finale für viele geboten. Die World Trail Majors sind endgültig im internationalen Spitzenkalender der Serien etabliert – und Kapstadt bleibt im November der Ort, an dem sich die globale Trailrunning-Elite zum Saisonabschluss trifft.

Gleichzeitig unterstreicht das Event mit hohem Preisgeld, klarer Gleichstellung von Frauen und Männern sowie einem starken Fokus auf Umweltschutz und lokale Trailprojekte seine Rolle als moderner Vorreiter im internationalen Rennzirkus.

Ergebnisliste: https://tan.sportraxs.com/events/546/races/1330 | Veranstalterseite: https://www.ultratrailcapetown.com/

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