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    Innerhofer-Zwillinge wechseln Lager: Das ist ein Sensations-Transfer

    Von einer Marke, der man 12 Jahre lang treu war, zu einer anderen. Warum laufen Hans-Peter und Manuel Innerhofer, zwei der prominentesten österreichischen Trailrunner, nunmehr für LOWA? Was steckt dahinter?

    Text: Egon Theiner
    Bilder: LOWA

    Was haben Gerlinde Kaltenbrunner, Ines Papert, Stefan Glowacz und Hans Kammerlander gemeinsam? Alle erfahrene und erfolgreiche Alpinist:innen, alle Idole und Vorbilder, alle auch Teil des LOWA Pro-Teams. Das macht alles Sinn, LOWA ist eine der Outdoor-Marken schlechthin, wurde 1923 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Jetzendorf nördlich von München. LOWA-Produkte werden in die ganze Welt exportiert, das Unternehmen ist ein, wie es so schön heißt, global Player.

    Und es ist eine Firma, die die Zeichen der Zeit erkennt und mit ihr geht. Berge sind nicht mehr einer bestimmten Schicht von Outdoor-Enthusiasten oder -Könnern vorenthalten, sondern zieht ein diverses Publikum an. Trailrunner beispielsweise. So gibt es bei LOWA auch ein Trail Racers Team, und ohne deren Mitglieder zu nahe treten zu wollen: so prominent wie die Kolleg:innen aus dem Pro-Team sind sie trotz aller schöner Erfolge nicht.

    Aber.

    Aber nun ist LOWA ein, sagen wir: Sensationscoup gelungen. Seit wenigen Tragen sind die Zwillinge Hans-Peter und Manuel Innerhofer (geboren 1995, aus Neukirchen am Großvenediger, kommen sportlich sozialisiert vom Fußball, Eishockey, Langlauf) Teil des LOWA-Teams, und im ersten Moment könnte man sagen: Na, laufen sie eben einen anderen Schuh.

    So einfach ist es dann doch nicht. Die Innerhofers gehören zu jener Sorte von Athleten, die nicht durch Follower-Zahlen auffallen. Rund 6000 Fans auf Instagram (pro Kopf, aber es wird wohl eine sehr große Schnittmenge geben) sind in heutigen Zeiten quasi vernachlässigbar, Hannes Namberger steht da bei 34.000, Ida-Sophie Hegemann bei 167.000, Courtney Dauwalter bei 720.000. Womit sie hingegen auffallen, ist mit Leistung: Manuel hat einen UTMB-Index von 894, Hans-Peter einen von 874. Jener von Namberger liegt bei 900 (alle Zahlen Stand 28.3.26).

    Na gut, zwei Topsportler, die eben einen anderen Schuh laufen. Richtig: In den letzten 12 Jahren, also quasi ihre gesamte Karriere über, waren Hans-Peter und Manuel Innerhofer auf Salomon unterwegs und gingen mit einem der Pioniere in der Trailrunning-Industrie durch dick und dünn: Anfang war das französische Unternehmen unangefochtener Marktführer, die hohe Qualität der Produkte und der Abstand zu anderen ließ sich auf Dauer nicht halten, andere Unternehmen schlossen die Lücke zur Spitze; Salomon führt immer noch, doch der Markt ist umkämpft und LOWA einer der ambitioniertesten Herausforderer.

    Trailrunning-Marken im Vergleich

    Die Marktverteilung ist stark fragmentiert. Während die Top-Player zusammen etwa 40–50 % kontrollieren, teilen sich Dutzende spezialisierte Marken den Rest des Marktes. 

    Globale Verteilung

    MarkeGeschätzter MarktanteilPositionierung & Status
    Salomon~18 – 22 %Weltmarktführer; extrem stark in Europa und im Profi-Bereich.
    Hoka~12 – 15 %Schnellster Aufsteiger; dominiert das Segment der maximalen Dämpfung.
    Brooks~8 – 11 %Führend in den USA (bis zu 22 % im US-Performance-Laufmarkt).
    Adidas Terrex~5 – 8 %Profitiert von globaler Logistik und starken Partnerschaften (z. B. Continental).
    Altra~4 – 6 %Führend in der Nische „Natural Running“ und bei Weitwanderern.
    La Sportiva~3 – 5 %Starker Fokus auf technisches, alpines Gelände (Skyrunning).
    LOWA< 1 %Aktuell noch ein Nischenplayer, aber mit hoher Dynamik und starkem Ausbau
    Andere (Nike, Saucony, New Balance, etc.)~35 – 40 %Mischung aus großen Sportmarken und kleineren Spezialisten (z. B. Inov-8).

    Regionale Unterschiede

    Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zahlen globaler Natur sind. In der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) liegt der Marktanteil von Marken wie Salomon, La Sportiva und auch LOWA (aufgrund der Markenbekanntheit im Wandern) signifikant höher als im globalen Durchschnitt, während US-Marken dort teilweise geringere Anteile halten.

    Erst 2023 hat LOWA die erste Trailrunning-Kollektion auf den Markt gebracht: ATR (All Terrain Running) übertrifft dabei laut Unternehmensberichten die hausinternen Erwartungen. Die Verpflichtung zweier Läufer wie den Innerhofers ist Ausrufezeichen und Kampfansage gleichermaßen. Ob ATR als Name dauerhaft erhalten bleibt oder durch andere Bezeichnungen ersetzt wird, sei allerdings dahingestellt.

    Als der italienische Superstar Francesco Puppi Anfang 2025 Nike verließ (weil er sich mit der Werbelinie des Konzerns während der Olympischen Spiele von Paris nicht identifizieren konnte) und sich Hoka anschloss, geschah dies mit einem lauten Knall und keiner weiteren öffentlichen Wahrnehmung. Dabei ist der Wechsel von einer Marke zur anderen, besonders dann, wenn man über Jahre hinweg treu geblieben war, durchaus beachtenswert.

    Die Motivationen sind vielfältig, und alles beginnt mit dem gemeinsamen Wunsch nach Veränderung, wie Hans-Peter Innerhofer im Gespräch mit www.trailrunningworld.net erzählt. Sie sind 30 geworden im vorigen Jahr, sie haben sich nach etwas Neuem gesehnt und das auslaufende Vertragspapier bei Salomon zum Anlass genommen, sich mit anderen Unternehmen in Kontakt zu setzen. Von LOWA kamen Schuhe, es folgte ein Vierer-Call im November, dann ein Besuch beim Firmen- und Produktionssitz in Bayern. Der persönliche Umgang, die familiäre Atmosphäre, die Prototypen, die Möglichkeit, an deren (Weiter-)Entwicklung beitragen zu können, geben den Ausschlag für LOWA.

    Nicht, dass Salomon keine neue Vereinbarung vorgelegt hätte, mit der üblichen niedrigen fünfstelligen Summe, inklusive Ausrüstung, Reisespesen, Bonuszahlungen, und mit den vermehrten Verpflichtungen, die sich mehr an Influencer-Aktivitäten denn sportlichen Ereignissen orientieren.

    „Ökonomisch stehen wir besser da als voher“, sagt Innerhofer, doch im gleichen Atemzug betont er: „Wenn das Finanzielle auch passen muss, so ist es ungleich wichtiger, mit dem Equipment auch konkurrenzfähig zu sein. Und dazu kann ich sagen: Wir sind beide von den Produkten voll überzeugt – und wir laufen bereits jetzt in jenen Schuhen, die in ein, zwei Jahren für alle erhältlich sein werden!“

    Vom Sport allein können die Innerhofers immer noch nicht leben, Hans-Peter ist Teilzeit-Forstarbeiter bei den Bundesforsten, Manuel Seilbahntechniker in Gerlos, vollzeitlich eingebunden im Winter, mit mehr Freizeit im Sommer. „Wenn wir bei Europa- oder Weltmeisterschaften antreten, dann werden wir mit Italienern, Spaniern, Franzosen verglichen – übersehen wird, dass wir komplett andere Lebens- und Trainingsbedingungen haben. Wenn wir unter die ersten Zehn laufen, dann sind wir in den allermeisten Fällen die einzigen, die nicht Vollprofis sind.“ Bedauern schwingt mit, für den Heeressport nicht in Betracht gezogen worden zu sein bzw. zu werden, doch Anerkennung liegt in seinen Worten, wenn über die engagierten Aktivitäten der Spartenreferenten Berg und Trail im Österreichischen Leichtathletikverband gesprochen wird: „Helmut Schmuck und Michael Geisler machen eine echt gute Arbeit.“

    Der Ötzi Trailrun in Naturns in Südtirol Mitte April, der Trail Hunt in Innsbruck im Rahmen des Innsbruck Alpine Trailrun Festivals Ende April, die Europameisterschaft Anfang Juni in Slowenien, der Großglockner Mountain Run Anfang Juli sind einige der Rennen, die auf der Liste der Innerhofers sehen. Dass sie da oder dort auf LOWA-Teamkolleg:innen treffen werden, ist sehr wahrscheinlich – zwei starke Schweizerinnen und noch ein, zwei Deutsche werden das Trail-Team verstärken. „Im DACH-Raum will LOWA mehr als nur ein Zeichen setzen“, weiß Innerhofer.

    Und die Innerhofers werden das Ihre dazu beitragen, damit dies auch eintritt.

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