Trail-Talent Clara Carste über Watzmann-Rekord und Olympia-Ambitionen

Mit Papa auf der Straße. So hat die Laufkarriere von Clara Carste begonnen. Mittlerweile ist die Deutsche aus Hohenbrunn bei München im Athletenteam von DYNAFIT und lebt in Innsbruck und verbindet dort Studium und Wissenschaft als sportwissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität. Die Straße hat sie hinter sich gelassen und gegen die Trails getauscht. Im Interview spricht sie über freundschaftliche Rivalitäten, den UTMB und ihre zwiegespaltene Haltung zum Trailrunning als olympische Disziplin.

Text: Klaus Molidor
Bilder: Clara Carste, DYNAFIT

Clara, das erste Mal für großes Aufsehen in der Trailrunningwelt hast du mit dem Rekord auf der Watzmann-Überschreitung im Juni 2024 gesorgt. Was war davor?
Begonnen habe ich auf der Straße. Meine Eltern sind immer schon gelaufen und wir waren auch viel in den Bergen. Über das regelmäßige Laufen mit meinem Papa Curt hatte ich dann das Ziel, 2017 vor meinem 18. Geburtstag einen Marathon zu bestreiten. War gar nicht leicht, ein Rennen zu finden, bei dem man als unter-18-jährige starten darf. In Salzburg ging dies vom Reglement her, weil ich im selben Jahr volljährig wurde. Am Ende waren es 4:09 Stunden und ich hatte noch überhaupt keine Ahnung von Renn-Einteilung, strukturiertem Training und so weiter.

Clara Carste, DYNAFIT

Wie bist du dann auf die Trails abgebogen?
Über eine Laufgruppe in München. Da sind viele auf Trails gelaufen und so habe ich das auch mal probiert – auch, weil ich da meinen Freund kennengelernt habe der mich erfolgreich mit seiner Begeisterung für das Traillaufen angesteckt hat. Die Abwechslung und die Natur machen mir einfach nochmal mehr Spaß als die Straße. Als Sportwissenschaftlerin schreibe ich jetzt natürlich auch Trainingspläne für mich und für andere und bereite mich gezielt auf Wettkämpfe vor.

Nach Platz drei im 36 km-Bewerb im Rahmen des Großglockner Ultra Trails und Platz zwei über 35 km beim Innsbruck Alpine Trail Festival, beide 2025 erreicht, und mit einem ITRA Performance Index von 663 (Stand 27.3.2026), stellt sich die Frage, wohin die Reise gehen soll…
Heuer starte ich bei der Qualifikation für die Trailrunning-Europameisterschaft, die von 5. bis 7. Juni in Kamnik in Slowenien stattfinden wird. Mal sehen, wie das läuft. Die Konkurrenz im deutschen Team ist groß. 

Aktuell bist du auf Rennen rund um die Marathon-Distanz unterwegs. Reizen dich die Ultras nicht?
Doch, aber ich merke, dass es mir aktuell gut liegt, auf den „kürzeren“ Distanzen um die 40km  Gas zu geben. 2024 bin ich den Marathon in Berlin in 2:54 Stunden gelaufen – über eine Stunde schneller als bei meinem ersten Marathon. Das macht mich neugierig, wie viel ich mich noch weiterentwickeln kann. Bergauf und im Flachen bin ich schnell, aber im Downhill habe ich noch viel Luft nach oben. In ein – zwei Jahren ist aber sicher auch der UTMB einmal Thema. 

Trailrunning könnte ja auch bald olympisch werden – sehr wahrscheinlich mit einem kürzeren Rennen als mit einem großen Ultra…
Ja. Und ich sehe die Olympia-Ambitionen auch kritisch. Mit einem sehr kurzen Rennen sehe ich die Gefahr, dass der Ursprung des Trailrunnings und der Berg-Spirit in dieser Disziplin verloren geht. Andererseits bekommt Trailrunning als olympische Sportart mehr Aufmerksamkeit und Geld und man könnte damit den Nachwuchs fördern und professionelle Strukturen schaffen, die es aktuell ja noch nicht so ganz gibt.

Aus Spaß am Laufen ist aber auch bei dir eine Karriere geworden, die dich heuer ins Athletenteam von DYNAFIT geführt hat. 
Stimmt. Ich habe mich vor zwei Jahren mit meinem Freund als Trailhero beworben, weil wir den Transalpine Run laufen wollten. Das hat funktioniert und 2025 haben wir uns wieder erfolgreich beworben. Dann ist DYNAFIT auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich Interesse hätte im Athletenteam bei Rennen zu starten.

Und damit hast du jetzt Start-Verpflichtungen?
Nein. Natürlich ist es gerne gesehen, wenn ich bei Rennen starte, noch dazu, wenn es von DYNAFIT gesponsorte oder unterstützte-Rennen sind. Aber wenn man sportlich ehrgeizig ist, will man ja ohnehin Rennen bestreiten. Leistungs-Verpflichtungen gibt es aber keine. 

Deine Fastest Known Time am Watzmann musstest du inzwischen schon wieder abgeben. Diesen hat Johanna Ehrenklau im Herbst 2025 um 20 Minuten verbessert und auf 3:52 Stunden gedrückt. Ist der Rekord 2026 auch ein Ziel?
Ich will es auf jeden Fall wieder probieren. Johanna ist auf mich zugekommen, bevor sie die FKT angegangen ist – es ist cool, wenn es eine so freundschaftliche Rivalität gibt. Das gefällt mir an diesem Sport so. Dafür muss ich aber vor allem im Downhill viel besser werden und trainiere daher auch vermehrt Kraft, Rumpfstabilität und Mobilität. Bergauf waren Johanna und ich nicht weit auseinander, sie hat den Vorsprung vor allem bergab und mit richtig starken letzten 10km das Tal hinaus herausgelaufen.

Noch einmal zur freundschaftlichen Rivalität – woher kommt die im Trailrunning?
Ich denke, es ist diese Bergmentalität – dass man jemanden in einer potenziell gefährlichen Umgebung nicht im Stich lässt. Sollte der Sport olympisch werden, hoffe ich, dass ihn auch dort Leute ausüben, die mit der Natur verbunden sind, die sich mit den Bergen und dem Wetter und alldem auseinandersetzen.

Neueste Nachrichten

Verwandte Artikel