Der Auftakt der World Trail Majors 2026 fand dort statt, wo urbane Dichte und wilde Natur so eng ineinandergreifen wie kaum irgendwo sonst: auf der Sai Kung Peninsula im UNESCO Global Geopark vor den Toren Hongkongs. Mehr als 3.000 Läuferinnen und Läufer aus rund 60 Nationen machten den Anta Guanjun Hong Kong 100 einmal mehr zu einem internationalen Saisonstart mit Signalwirkung.
Sportlich wie organisatorisch stand die Ausgabe unter besonderen Vorzeichen. Nach Erdrutschen mussten sowohl die Ultra- als auch die Short-Distanz angepasst werden. Beim HK100 wurde die Strecke um 7 KM verkürzt und um 250 HM reduziert – in Summe 93 KM mit 5.028 HM. Die Bedingungen am Renntag: rund 12 °C, hohe Luftfeuchtigkeit und klarer Himmel. Was blieb, war die typische Dramaturgie dieser Strecke: tausende Stufen, kurze, steile Rampen, schnelle Trailpassagen und immer wieder exponierte Blicke auf die Megacity – ein Setting, das Tempo und Technik gleichermaßen fordert.

HK100
Die Ultra-Distanz entwickelte sich von Beginn an zu engen Positionskampf. Gleich nach den ersten Metern bog der Kurs in die Trails der Sai Kung Peninsula ab. Auf den ersten Kilomentern, mit kurzen Anstiegen, Dämmen, Stränden und flüssigen Trails blieb das Männerfeld lange zusammen – auch deshalb, weil die Streckenänderung allen ein höheres Grundtempo signalisierte: Wer zögerte, riskierte auf den späteren Stufenanstiegen den Anschluss schon verloren zu haben.
Zur Rennhälfte (49 KM / 2.253 HM) war Jianjian Yang vorne, knapp dahinter Guidu Qin. Doch die entscheidenden Kilometer kamen im zweiten Teil Richtung Tai Mo Shan. Nach rund 70 KM und über 3.500 HM wurde das Rennen neu sortiert: Nach den Ausstiegen von Jianjian Yang und Mario Olmedo übernahm Guidu Qin die Spitze. Von dort verteidigte er seinen Vorsprung über den finalen, steilen Anstieg zum höchsten Punkt (Tai Mo Shan, 957 m) und den anschließenden schnellen Downhills ins Ziel.
Männer – Podium (93 KM / 5.028 HM)
🥇 Guidu Qin (CHN) – 08:52:36
🥈 Guangfu Meng (CHN) – 08:58:50
🥉 Guomin Deng (CHN) – 09:09:48
Im Frauenrennen setzte Hau Ha früh einen Rhythmus, dem zunächst niemand folgen konnte. Nach 32 KM lag die Vietnamesin bereits rund zehn Minuten vor dem Feld. Auch zur Hälfte des Rennens blieb ihr Vorsprung deutlich; an Beacon Hill (70 KM / 3.543 HM) wirkte die Vorentscheidung gefallen – etwa zehn Minuten vor Veronika Leng, dahinter Lingjie Chi.
Dann kam die Wende: Leng verkürzte den Abstand konsequent, gewann weiter Zeit und schloss spätestens mit dem Schlussabschnitt über Tai Mo Shan endgültig auf. Statt eines klassischen Zielsprints entschieden sich beide, den Moment sportlich wie symbolisch zu teilen: gemeinsamer Zieleinlauf, geteilter Sieg.
Frauen – Podium (93 KM / 5.028 HM)
🥇 Hau Ha (VNM) – 10:43:35
🥇 Veronika Leng (SVK) – 10:43:35
🥉 Lingjie Chi (CHN) – 10:52:22
“Maybe start chasing the girls, I felt good, kept going until we met, we were so happy to see each other and we just run down together to celebrate and finish 1-1.”
– Veronika Leng
Aus DACH-Sicht blieb der Kampf um die Podestplätze diesmal ohne Beteiligung aus AUT, GER oder SUI: Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen gingen die Medaillenränge an Athleten aus Asien und Europa ohne die DACH-Nationen.

The Half
Die Short-Distanz „The Half“ (50 KM / 2.118 HM) war – wie der HK100 – von Streckenanpassungen betroffen, blieb aber ihrem Charakter treu: schnell, technisch und als Einstieg in die Ultra-Welt konsequent fordernd. Von Beginn an wurde hoch gepokert. Nach 19 KM / 711 HM lief eine große Männergruppe zusammen, bevor ein markanter Anstieg mit vielen großen Stufen die erste echte Zäsur setzte.
Bei 32 KM / 1.418 HM führte Ruqin Wang knapp vor Guo Shi und Anton Gustafsson; Rui Ueda musste zu diesem Zeitpunkt abreißen lassen. In der zweiten Rennhälfte blieb die Dynamik hoch, die Abstände gering – vor allem, weil die technischen Teilstücke kaum Attacken zuließen. In Yung Shue (41 KM / 1.652 HM) behauptete Wang die Führung mit rund 90 Sekunden Vorsprung auf Guo Shi; Gustafsson blieb in Schlagdistanz. Auf den letzten Kilometern brachte Wang den Vorsprung ins Ziel und setzte damit auch früh den Ton für die Short Series.
Männer – Podium (50 KM / 2.118 HM)
🥇 Ruqin Wang (CHN) – 03:56:14
🥈 Anton Gustafsson (SWE) – 03:58:14
🥉 Guo Shi (CHN) – 03:58:32
Im Frauenrennen setzte sich Xuemei Huang in den entscheidenden Passagen ab und blieb auch unter Druck stabil. Yan Yang kam im letzten Abschnitt noch einmal näher, doch Huang hielt die Kontrolle bis ins Ziel. Eszter Csillag komplettierte das Podium nach einem konstanten Rennen in einem dicht gestaffelten Feld.
Frauen – Podium (50 KM / 2.118 HM)
🥇 Xuemei Huang (CHN) – 04:48:12
🥈 Yan Yang (CHN) – 04:48:56
🥉 Eszter Csillag (HUN) – 04:51:17
Auch hier galt: Die Podiumsplätze gingen an CHN, SWE und HUN – ohne Top-3-Platzierung für AUT, GER oder SUI.

Fazit
Der Anta Guanjun Hong Kong 100 lieferte zum Start der World Trail Majors 2026 genau das, was diese Serie verspricht: internationale Felder, anspruchsvolle Kurse – und ein Rennen, das trotz Streckenänderung sportlich hochklassig blieb. Guidu Qin setzte sich in einem selektiven Männerlauf durch, während das Frauenrennen mit dem geteilten Sieg von Hau Ha und Veronika Leng eine der bemerkenswertesten Geschichten dieses frühen Saisonpunkts schrieb. In der Short Series markierten Ruqin Wang und Xuemei Huang den ersten Zwischenstand – und damit die Richtung für das, was in den kommenden Stationen der Serie folgt.
