Beim Salomon Pitz Alpine Glacier Trail im Pitztal siegen zwar die Favoriten (im Bild Elhousine Elazzaoui) bei ihren Debüts – aber run2gether On Trail liefert das beste Teamresultat der bisherigen GTWS-Saison.
Text: Egon Theiner / GTWS
Bilder und multimediale Elemente: GTWS/Koastal Forest
Zwei Debütanten, zwei Siege. Elhousine Elazzaoui (NNormal) und Madalina Florea (Scott) standen zum ersten Mal überhaupt am Start des Salomon Pitz Alpine Glacier Trail, der vierten Station der Golden Trail World Series 2026 – und gewannen beide auf Anhieb, jede:r mit einem eigenen taktischen Meisterstück. Die 23,5 Kilometer lange Strecke mit rund 1.700 Höhenmetern gilt als eine der forderndsten im gesamten GTWS-Kalender.

Frauen: Florea übersteht Sturz mit verletztem Handgelenk
An der Spitze des Frauenrennens setzte sich früh eine Dreiergruppe ab: Florea, die Kenianerin Ruth Gitonga und deren Teamkollegin Miriam Chepkirui. Am glasklaren Rifflsee, etwa auf halber Strecke des langen Anstiegs, musste Chepkirui abreißen lassen – von da an war es ein direktes Duell zwischen Florea und Gitonga.
Die Entscheidung fiel am steilsten Abschnitt der Strecke: 1,8 Kilometer mit durchschnittlich 26,9 Prozent Steigung. Dort brach Florea auf Passagen von über 30 Prozent den Widerstand der Kenianerin, erreichte die Sunna Alm Hütte auf 2.847 Metern als Erste, mit dem schnellsten Anstiegssplit des Tages (25:16), und hatte beim Start in den Downhill bereits mehr als eine Minute Vorsprung.
Dass es am Ende trotzdem eng hätte werden können, lag an zwei Dingen: an Naomi Lang, die sich als unantastbare Downhillerin erwies (schnellster Tagessplit im Downhill, 10:43, und damit die stärkste Aufholjagd des Tages), und an einem Sturz Floreas auf einer schnellen Downhill-Passage – das war heikel, weil sie nach einem Trainingssturz auf der Sierre-Zinal-Strecke eine Woche zuvor bereits mit einer Handgelenksverletzung ins Rennen gegangen war. Sie kam schnell wieder auf die Beine und meisterte die technischen Schlüsselstellen souverän. Am Ende gewann Florea in 2:32:16 Stunden mit 4:20 Minuten Vorsprung auf Gitonga. Naomi Lang komplettierte mit einer starken Aufholjagd das Podest – nur elf Sekunden hinter Gitonga, aber eben doch auf Rang drei statt zwei.
Wie schon in Kanada sicherte sich Madalina Florea das Sprintsegment, einen 1,5 Kilometer langen, sanft abfallenden Abschnitt kurz vor der ersten Zieldurchquerung – 3:22 Minuten, zehn Bonuspunkte für die Gesamtwertung. „Ich bereite mich schon auf das vor, was nächste Woche kommt“, sagte Florea nach dem Rennen mit Blick auf Sierre-Zinal. Mit dem Sieg baute sie ihre Führung in der GTWS-Gesamtwertung auf 666 Punkte aus, 166 Punkte vor ihrer nächsten Verfolgerin Barbora Bukovjan.

Männer: Elazzaouis früher Antritt entscheidet das Rennen
Bei den Männern ging es von Beginn an rasant zu. Eine große Führungsgruppe blieb dicht beisammen, während Österreichs Manuel Innerhofer und der US-Amerikaner Christian Allen sich mit dem Tempo an der Spitze abwechselten. Im Sprintsegment lieferten sich die Läufer ein Fotofinish-Duell – die Bestmarke setzte dabei keiner der erklärten Favoriten, sondern Bogdan Damian (Kailas Fuga) in bemerkenswerten 3:01 Minuten.
Am langen Anstieg durchs Hirschtal zum Grubenkopf übernahm zunächst Michael Selelo Saoli das Kommando, baute am Checkpoint beim See einen Vorsprung von 12 Sekunden auf Elazzaoui und Kipngeno auf. Doch der Marokkaner, bekannt für seine technischen Downhill-Qualitäten, überraschte seine Konkurrenten mit einem frühen Antritt in der zweiten Hälfte des Anstiegs: Er setzte sich solo ab und erreichte den Gipfel als Erster, mit dem schnellsten Anstiegssplit (19:54). Sein 20-Sekunden-Vorsprung wuchs auf den ersten Metern der Abfahrt weiter – auch wenn der schnellste Downhill-Split des Tages erneut an Bogdan Damian ging (9:21, 14 Sekunden schneller als Elazzaoui).
Zurück in Mandarfen für die letzte Schleife blieb die Reihenfolge unverändert, die Abstände wuchsen weiter. Elazzaoui konnte die letzten Meter sogar genießen und mit den Zuschauern feiern, ehe er in 2:08:44 Stunden ins Ziel kam. „Ich bin sehr glücklich“, sagte er danach. „Ich habe nach dem Wettbewerb in Kanada vieles an meiner Vorbereitung verändert, und ich bin wirklich zufrieden damit, wie das Rennen gelaufen ist.“ Wie Florea gab auch er sein Debüt in Österreich: „Ich entdecke gerne neue Rennen. Heute brauchte es eine andere Strategie. Ich fühlte mich stark, sowohl am Anstieg als auch im Downhill.“ Mit dem Sieg führt Elazzaoui die Gesamtwertung nun mit 824 Punkten an, mehr als 300 Zähler vor seinem nächsten Verfolger – Bogdan Damian.

run2gether: das bislang beste Saisonresultat
Für run2gether On Trail war es der bislang stärkste Auftritt der Saison. Michael Saoli und Patrick Kipngeno komplettierten mit den Rängen zwei und drei das Männerpodest hinter Elazzaoui. Bei den Frauen sorgte Ruth Gitonga mit Silber für ein Team-internes Highlight, während Miriam Chepkirui als Fünfte ebenfalls in die Spitze lief. Je zwei Athletinnen und Athleten des österreichisch geführten Teams unter den besten Fünf ihrer jeweiligen Rennen – das ist ein Ergebnis, das für sich spricht. Team-Manager Thomas Krejci kommentierte zufrieden; „Die Siege waren zwar außer Reichweite, aber alle unsere Athleten und Athletinnen haben toll gekämpft. Und erstmals in dieser GTWS-Saison habt run2gether On Trail die Teamwertung gewonnen! Also: alles gut!“
Hier geht es zu den gesammelten Ergebnissen des GTWS Pitz Alpine
Ausblick: Die Kathedrale wartet
Kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt der GTWS-Karawane: Bereits am 8. August macht die Golden Trail World Series in Sierre-Zinal Station, jenem Rennen, das sich seit 1974 den Beinamen „Kathedrale des Trailrunnings“ verdient hat. Mehr zur Geschichte, den Rekorden und dem, was 2026 auf dem Spiel steht, folgt in einem eigenen, ausführlichen Beitrag – online hier auf trailrunningworld.net ab 5. August.
Danach führt die Saison quer über den Globus weiter: der Myoko Trail in Japan (20. September), das Rennen entlang der Chinesischen Mauer bei Jinshanling (27. September) und schließlich das große Saisonfinale beim Muju Trail Grand Finale in Südkorea (24./25. Oktober), wo die Gesamtsieger der GTWS-Saison 2026 gekürt werden.


Anmerkung: Dieser Beitrag wurde am 1.8.26, 20:24 Uhr mit den Aussagen von run2gether-Manager Thomas Krejci ergänzt.
