Ida-Sophie Hegemann: „TDS ist 1000 Mal schöner als der UTMB“

Die 28-jährige Deutsche will bei ihrer Premiere von Courmayeur nach Chamonix ein Top-Resultat, freut sich auf die Strecke und „auf das große Leiden“ dabei.

Text: Klaus Molidor
Bilder: WMTRC 2023/Roast Media

Das erste große Saison-Highlight rückt näher und näher. Am 25. August startet Ida-Sophie Hegemann in den „Traces des Ducs de Savoie“, kurz TDS. Zum ersten Mal steht die Deutsche dann um 23.50 Uhr in Courmayeur an der Startlinie und nimmt die 148,6  Kilometer und mehr als 9300 Höhenmeter in Angriff. „Ich freue mich sehr auf den TDS“, sagt Hegemann, „obwohl es fast nur steil bergauf oder steil bergab geht.“ Und obwohl es ihre Premiere auf dem TDS ist, weiß sie durchaus, wovon sie spricht, hat sich die Strecke innerhalb von vier Tagen komplett angeschaut. Die aufkommende Freude resultiert also wahrscheinlich auch aus dem, was sie „auf den Spuren der Herzöge von Savoyen“ gesehen hat. „Es ist nämlich viel mehr laufbar, als mir alle berichtet haben, die den Lauf kennen“, sagt Hegemann. 

Nachdem sie beim UTMB 2023 und 2024 ein DNF verbucht hatte, probiert sie heuer etwas Neues. „Erstens habe ich dadurch knappe eine Woche mehr Zeit zur Regeneration und zur Vorbereitung auf die WMTRC Ende September in Canfranc und zweitens, steigt der TDS zu Beginn der UTMB-Woche.“ Der Hype um die Rennen würde dann von Tag zu Tag größer. „Da kommt es mir sehr entgegen, dass ich gleich loslaufen kann und nicht so hinfiebern muss. Außerdem sind dann noch nicht so viele Leute da.“ 

Nach der Streckenbesichtigung kommt aber noch ein weiterer Grund dazu, warum sie sich aller harten Eckdaten zum Trotz so sehr auf den TDS freut. „Die Trails“, sagt sie. „Die Strecke ist 1000-mal schöner als die beim UTMB. Ich mag und kann das Forststraßenlaufen zwar, weil ich ja ursprünglich von der Straße komme, aber die Trails am TDS sind wunderbar.“

Ida-Sophie Hegemann

Die 28-Jährige macht sich aber auch nichts vor, redet sich den TDS nicht schön oder verklärt ihn romantisch, zumal sie ja nicht einfach nur dabei sein, sondern ein Top-Resultat liefern will. „Das wird schon ein großes Leiden“, sagt sie. „Aber genau darauf freue ich mich.“ Wie bitte? „Solange es locker läuft, ist es eh okay. Interessant wird es aber dann, wenn das Leiden beginnt. Dann beginnt das Rennen erst wirklich“, erklärt sie. „Am Sweet Spot wenn das Leiden einsetzt und du damit umgehen musst, wird es richtig interessant.“ Hegemann hofft auch nicht, dass dieses Leiden spät einsetzt. Im Gegenteil. „Nach vier Stunden sollte es beginnen, sonst habe ich das Gefühl, dass ich zu langsam bin, oder nicht alles gebe.“

Das meiste Bauchweh im wahrsten Sinne des Wortes macht ihr die Startzeit – 23.50 Uhr. „Diese vorangestellte Nacht macht mir bei allen Ultras Sorgen, da ich da immer Magenprobleme bekomme.“ Den Grund dafür hat sie noch nicht ganz heraußen und auch wenn es heute besser ist, als noch vor drei Jahren auf ihren ersten langen Kanten, so bleibt das weiterhin ihre Achillesferse. „Wären die Starts am Vormittag, würde ich bestimmt öfter auf dem Podium stehen“, sagt sie lachend. Um für den TDS auch auf diesem Sektor besser gerüstet zu sein, wird sie noch einen Testlauf in der Nacht absolvieren, um das letzte Negativ-Erlebnis aus dem Kopf zu bekommen. Beim Zugspitz Ultra Trail Mitte Juni ist es ihr nämlich ganz dreckig gegangen. „Nach eineinhalb Stunden hat ich bemerkt, dass ich eine Blasenentzündung bekomme. Ich wollte aber unbedingt weiterlaufen.“ Gesagt, getan. Eine weitere halbe Stunde später schreit ihr Körper mit einer heftigen Entzündungsreaktion aber Alarm. Hegemann bekommt Fieber, muss sich mehrfach übergeben – und läuft weiter. „Nach 80 Kilometern ging dann aber endgültig nichts mehr“, erzählt sie. „Ich weiß, dass es sicher nicht das Gescheiteste war, weiterzumachen.“ Der Körper fordert danach Tribut. Bis die Blasenentzündung vollständig ausgeheilt ist und sie sich vom Übergeben ganz erholt hat, vergehen drei Wochen. Antibiotika inklusive. „Jetzt ist aber alles wieder gut“, sagt sie. Auch das Seitenband im Fuß, mit dem sie zu Beginn der Saison Probleme hatte, ist wieder voll einsatzfähig.

TDS:
Die Abkürzung steht für "Sur les Traces des Ducs des Savoie" was übersetzt: "Auf den Spuren der Herzöge von Savoyen" bedeutet. Der Lauf eröffnet am 25. August um 23:50 Uhr die Rennen der UTMB-Woche. Der TDS startet in Courmayeur und führt über 148,6 Kilometer und mehr als 9300 Höhenmeter ins Ziel nach Chamonix. Die maximal dafür erlaubte Rennzeit beträgt 44 Stunden und 55 Minuten. Als "schön, technisch, wild, anspruchsvoll" bezeichnet der Veranstalter selbst das Rennen. 2024 siegten Marie Dohin (FRA) bei den Damen in 24:06:01 Stunden, bei den Herren Thibault Marquet (FRA) in 18:59:36 Stunden.

In der Zwischenzeit ist Hegemann aber auch einen neuen Weg gegangen und war als UTMB-Reporterin bei Live-Streams im Einsatz. „Beim Trail Verbier St. Bernard by UTMB und beim Eiger Ultra Trail by UTMB war ich als Kommentatorin im Einsatz für den deutschen Live-Stream.“  Beim UTMB wird Hegemann in der Nacht von der Strecke berichten, als rasende Reporterin sozusagen. „Aber für den englischen Stream, weil es keinen deutschen gibt.“ Die Aufgabe macht ihr auch viel Spaß. „Die Rennen zu verfolgen und Aufmerksamkeit für Frauen-Sport zu bekommen und zu schaffen ist eine tolle Sache.“ An der Strecke wolle sie das Erlebnis des UTMB möglichst hautnah vermitteln.

Danach wird sie sich ins Auto setzen und weiterreisen nach Canfranc zu den WMTRC. Denn die Anreise in die Pyrenäen im Grenzgebiet zwischen Spanien und Frankreich per Flugzeug aus der Heimat ist extrem beschwerlich. „Und ich habe gerne alle meine Sache selbst dabei.“ Die WM ist dann das zweite Highlight für die Deutsche. Wie 2023 in Innsbruck-Stubai startet sie im Trail Long und nach Platz 15 vor zwei Jahren soll es diesmal schon unter die Top 10 gehen. „Und nach Silber 2023 mit der Mannschaft wollen wir auch heuer vorne mitmischen.“ Der Vorteil: Das Rennen startet in der Früh und nicht in der Nacht. Welches der beiden Highlight-Events ist nun das Wichtigere für Ida-Sophie Hegemann? „Ich würde sagen, beide sind gleich wichtig. Aber ich werde beim TDS nicht alles riskieren und dann bei der WM vielleicht verletzt ausfallen.“

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