Eine treibende Kraft zur Professionalisierung des Trailrunning-Sports sind die Golden Trail World Series, die Sehnsüchte und Begehrlichkeiten wecken und nunmehr an einem Scheideweg stehen. Ein Scheideweg, der die Szene noch besser, noch größer und noch interessanter dastehen lassen könnte.
Text: Egon Theiner
Bilder: GTWS, Greg Vollet
Die Trail- und Berglauf-Weltmeisterschaften in Innsbruck-Stubai, die im Juni 2023 ausgetragen worden waren, hatten Lust auf mehr gemacht bei Alexander Pittl, Betreiber der „Laufwerkstatt“ und seinem Team. Bald danach war Kontakt aufgenommen mit Greg Vollet, Erfinder und Leiter der Golden Trail World Series, kurz GTWS, oder einfach nur „Golden“. Im Raum stand ein Rennen, vielleicht gar das Finale, im Jahr 2024, doch Dinge gehen meistens langsamer, als man möchte. Nun aber ist es soweit, in wenigen Tagen, von 1. bis 3. August, findet zum 13. Mal der Pitz Alpine Glacier Trail statt, und in Rahmen dessen eine von acht (mit dem Finale: neun) Stationen der GTWS.
Die Aufgaben sind da recht klar geteilt. Der Veranstalter organisiert das Elite-Rennen am 2. August, es führt über 23,5 Kilometer und 1700 Höhenmeter, GTWS kümmert sich über den Mehrwert: um die Kommunikation auf internationalem Niveau, um die Live-TV-Übertragung auf EUROSPORT, kommt mit PR-, Community-Manager, einem Foto- und Videoteam, um den notwendigen Content herzustellen.
Großartige Spesen entstehen dem Veranstalter nicht, er bezahlt Unterkunft und Verpflegung für die Elite-Athleten und für die GTWS-Mitarbeiter, das sind insgesamt rund 150 Personen. Die Preisgelder – insgesamt liegen rund 20.000 Euro im Pott, je 3000 Euro für Sieger und Siegerin bis hinunter zu 300 Euro für die Zehntplatzierten – werden von GTWS bezahlt.
Wird von Elite-Trailrunning gesprochen, dann sind die Golden Trail World Series mit ihrem Format und ihren Teilnehmerfeldern wohl an erster Stelle zu nennen. Im Pitztal trifft sich so gut wie alles, was über die Trail-Mitteldistanz Rang und Namen hat, beispielsweise Roberto Delorenzi aus der Schweiz, Patrick Kipngeno aus Kenia, Cesare Maestri aus Italien, Daniela Oemus aus Deutschland, Takako Takamura aus Japan. Österreich ist auch dabei, mit Anna Plattner, mit Sebastian Falkensteiner, vielleicht auch mit Manuel Innerhofer, der aber angeschlagen und angezählt ist. Klar ist: Es ist eine Show des Trailrunnings!
Und bei allerhöchster sportlicher Leistung sind die GTWS auch genau dies: eine Show, die zwei bis zweieinhalb Stunden lang dauert, die permanent die Besten ihrer Kategorie vereint und somit für nachvollziehbare Spannung vom ersten bis zum letzten Kilometer sorgt. Die „Golden“ haben nicht 50 und mehr Events mit jeweils drei, vier oder fünf Distanzen, sie unterscheiden auch strikt zwischen Elite und Masse, und sie planen den Wettkampfkalender dermaßen strukturiert, dass es den Protagonisten und Protagonistinnen möglich wäre, bei allen acht Events anzutreten. Ausgetragen werden vier Doppel-Header mit drei bis vier Wochen Pause dazwischen. In diesem Jahr waren es Japan und China im April, Italien und Spanien im Mai, USA und Mexiko im Juni, nun stehen Österreich und Schweiz an. Im Oktober geht es zum „Grand Final“ nach Italien, der Ledro Sky wird im Trentino abgehalten. Die Gesamtwertung ergibt sich aus den besten drei erzielten Ergebnissen zusätzlich jenem beim Finale.
Der von Salomon begleitete und gewollte Launch der GTWS 2018 hat den professionellen Trailrunningsport nachhaltig verändert. Bis dahin galt, dass am ehesten Ultra-Läufer von der Ausübung ihres Sports leben müssten. Nun sind es Trailrunner auf kürzeren Distanzen, die zu größerem Profit kommen könnten (auch wenn der Weg zum Profi, klar, immer weit ist). Bei den Golden Trail World Series werden jedenfalls Stars geboren und, Event nach Event, zelebriert. Diese versammeln Anhänger, Fans, Mainstream hinter sich und halten eine sich nach oben drehende Spirale am Laufen: Leistung zieht Interesse an, Interesse zieht Sponsoren an, Geld sorgt für verbesserte Gegebenheiten, die wiederum die nächste Generation von Läufern ansprechen wird. Und für Ultraläufe ist auch später noch Zeit: Bei den GTWS liegt das Durchschnittsalter bei 25, auf den langen Kanten deutlich höher.
Während die Aufmerksamkeit der Szene sich auf den PAGT richtet, denken die Verantwortlichen der Serie schon weiter. EUROSPORT bzw. dessen Mutter-Unternehmen Warner Bros. und Salomon führen die „Golden“ in einer Art Joint Venture.


Das Medienunternehmen ist nunmehr federführend in der Zusammenstellung der Rennen ab der Saison 2026 – und tut dies mit einem vollkommen anderen Business Plan. Haben bisher die Organisatoren keine Lizenzgebühr zahlen müssen, dann wird sich dies demnächst ändern. Warner Bros. will Werbeminuten verkaufen und denkt an Einnahmen im unteren sechsstelligen Euro-Bereich. Klar ist, dass Veranstalter diese Beträge nicht aufbringen können (oder wollen), weswegen Tourismusverbände oder politische Institutionen erste Ansprechpartner sind. Der Event selber ist dann quasi ein „Bonus“ für die Region.
Es ist ein Geschäftsmodell, das Warner bereits erfolgreich im MTB-Weltcup praktiziert, und es wirft allemal einige Fragen auf. Läge es denn dann nicht auf Hand, die GTWS von acht auf zehn, zwölf oder 14 Rennen zu erweitern? „Wir wollen die besten Athleten bei allen Rennen haben“, ist ein Grundsatz von Greg Vollet, der aktuell für Salomon tätig ist, ab dem kommenden Jahr aber mit seiner eigenen Agentur die GTWS als Direktor begleiten wird, „und wir müssen danach trachten, dass sie gesund sind und bleiben. Und noch etwas: Je mehr Läufe es gäbe, umso geringer wäre die Dichte der Elite-Athlet:innen, die wir am Start haben.“ Auch wenn viele Stars beim PAGT dabei sind – alle sind es dann doch nicht. In einer Woche steht nämlich Sierre-Zenal auf dem Plan.
Vier von acht Rennen sollten ohnehin ihren Fixplatz im Kalender haben, der Jinshanling Große Mauer Trail in China, Zegama-Aizkorri in Spanien, Sierre-Zinal in der Schweiz und eines in den USA, wohl „Broken Arrow“ in Palisades Tahoe. Die anderen vier könnten immer wieder neu oder im Rotationsverfahren vergeben werden. Unklar ist somit zum heutigen Stand, ob die GTWS auch 2026 nach Österreich zurückkehren. Der Lindkogel Trail war zwar von Veranstalter Jürgen Smrz ins Spiel gebracht, aber nie als seriöse Option bewertet worden. Klar ist, dass kein Land mehr als eine GTWS-Etappe ausrichten wird können.
Geschehen könnte allerdings, dass neue Ausrichter aus neuen Regionen mit neuem Geld auf den Plan treten – dann könnten sich die Interessen der Partner spießen. Hier Warner, das Werbeminuten verkaufen will, dort Salomon, das in den Kernmärkten – somit Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland/Österreich/Schweiz, USA und in Asien in China, Japan und Südkorea präsent sein möchte. Was tun mit einem finanzkräftigen Interessenten aus, sagen wir: Oman, Dubai oder Saudi Arabien?
So oder so – die Golden Trail World Series werden eine treibende Kraft in der Professionalisierung des Trail-Sports bleiben.
GTWS-Gesamtsieger:
- 2018: Stian Angermund, Ruth Croft
- 2019: Kilian Jornet, Judith Wyder
- 2020: Bart Przedwojewski, Maude Mathys
- 2021: Stian Angermund, Maude Mathys
- 2022: Rémi Bonnet, Nienke Brinkman
- 2023: Rémi Bonnet, Sophia Laukli
- 2024: Elhousine Elazzaoui, Joyce Njeru

