Stille Wasser sind tief, heißt es so schön, und auch wenn die Diskussion darüber, ob Trailrunning 2032 in Brisbane olympischen Status erlangen könnte, immer wieder hochköchelt, so sind die Informationen eher spärlich gesät. Dabei könnte es nun schneller gehen, als gemeinhin angenommen wird.
Text: Egon Theiner
Bild: Wikipedia
Ein Beratergremium von World Athletics, in dem unter anderem auch Vertreter der internationalen Fachverbände ITRA, IAU, WMRA sitzen, soll aktuell an einem Vorschlag für das Internationale Olympische Komitee arbeiten, der – einfach formuliert – vorsieht, Cross-Country und Trailrunning zusammenzuführen – und dieser Disziplin bei den Winterspielen 2030 in den französischen Alpen eine globale Bühne zu bieten.
In der Tat gibt es zwar Unterschiede zwischen dem Querfeldeinlauf und Trailrunning, begonnen bei Laufschuhen, diese gelten aber nicht als unüberwindbar. Und selbstverständlich gibt es eine ganze Reihe anderer Hürden, die zu meistern sind.
- Die Regularien von Olympischen Winterspielen müssten wohl angepasst werden, um Sportarten, die nicht auf Schnee oder Eis ausgetragen werden, integrieren zu können.
- Die internationalen Wintersport-Fachverbände sehen es sicher nicht gerne, wenn andere Verbände in das Programm der Winterspiele drängen, weil der zu verteilende Kuchen an TV-Geldern kleiner wird. Mehr noch: Wenn es World Athletics mit Trailrunning in die Winterspiele schafft, dann könnte dies auch Begehrlichkeiten bei anderen Verbänden (Radsport? Handball? Fechten?) wecken.
- Es stellt sich die Frage nach dem Format, aber zuerst noch die Frage nach dem Namen. Heißt die neue olympische Sportart „Cross Country“ (was wohl die Präferenz von World Athletics-Präsident Lord Sebastian Coe wäre), dann ist die Tür für Trailrunning doppelt zu: Einerseits gäbe es keine Sichtbarkeit auf der weltgrößten Bühne des Sports, andererseits wären auch alle weiteren olympischen Ambitionen gestorben – weil World Athletics nach 2030 nicht auch noch 2032 eine neue, und zudem ähnliche, Disziplin ins Programm hieven könnte (und dies vielleicht nicht einmal will).
Es gibt aber auch Punkte, die für eine Aufnahme von Trailrunning in das Programm der Spiele 2030 sprechen.
- Das Programm der Sommerspiele ist bereits übervoll, es macht Sinn, einen neuen Sport, sofern möglich, in der Winter-Edition zu integrieren. Trailrunning würde für eine noch größere globale Aufmerksamkeit der Winterspiele sorgen, der Sport ist internationaler als Ski Alpin oder Eishockey, und es bestünde gar die Möglichkeit afrikanischer Winter-Olympiasieger. Und vergessen wir nicht: Die aktuelle IOC-Präsidentin Kirsty Coventry kommt aus Afrika, aus Simbabwe.
- Es ist unbestritten, dass sich in den französischen Alpen leicht ein Gelände finden lässt, auf dem ein anspruchsvoller Trailrun ausgetragen werden kann – reine Spekulation ist die Integration von Chamonix, der Hauptstadt des Trailrunnings, in das Konzept der Spiele. Ob das Rennen dann ein Mountain Classic, ein Trail Short oder was auch immer ist – ein „Olympic Trail“ würde der in verschiedene Distanzen aufgesplitteten Szene gut tun und (gleich wie im Triathlon) für eine Einordnung sorgen.
- Trailrunning ist ein Name, mit dem die Industrie Geld verdient. Oder haben Sie im Laufshop Ihrer Wahl schon einmal nach Cross Country-Schuhen gefragt?
In der Regel werden die Sportarten, die bei Olympischen Spielen ausgetragen werden, vier Jahre im Voraus kommuniziert, jene von 2030 also vor den Spielen von 2026. Diese beginnen am 6. Februar, und wer weiß – vielleicht ist Trailrunning in weniger als zwei Monaten bereits olympisch.
Dieser Artikel wird ergänzt, sobald weitere Informationen und Statements vorliegen.
